28 Mai

Informationen zu Netzsperren und Zensur

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20098 Kommentare

zensursula1

Keine Ahnung? Keine Meinung? Nachdem ich bereits eindeutig zu Thematik Zensur von Kinderporno-Websites Stellung bezogen habe, möchte ich eine Informationssammlung zusammenstellen, die uninformierten oder unsicheren Menschen eine Möglichkeit bietet, eine eigene Meinung zu bilden. Ich versuche natürlich so objektiv wie möglich zu sein um halbwegs neutral Informationen zu veröffentlichen die alle Leser interessieren dürfte.  An der Karikatur links, die vom pantoffelpunk stammt, kam ich trotzdem nicht vorbei.

Die Petition an den Bundestag, die bald die 100.000er Marke geknackt haben dürfte ist sicherlich der erste Anlaufpunkt um passiv Partei zu ergreifen und seinen Standpunkt zu klären. Was die Abgeordneten verschiedener Parteien über die Zensurpläne denken und wie sie auf Fragen antworten hat der Webrocker in einem Artikel sehr schön zusammengefasst, dabei wird wieder einmal deutlich, wie differenziert die Thematik auch von Politikern betrachtet wird.

Verschiedene Umfragen unter den Webnutzern ergaben übrigens, das sich rund 90% der Befragten gegen eine Sperre aussprachen und 92% für eine konsequente Löschung der Seiten aussprechen1 Die Argumentationsgrundlagen zugunsten der Sperren sind dabei oft immer die gleichen, viele davon laufen aber beim genaueren hinsehen ins Leere wie bei Heise nachzulesen ist. Das die Provider angesichts der Ankündigung schnell Bereitschaft signalisieren, liegt auf der Hand, denn niemand möchte gerne in die böse Ecke gedrängt werden. Das die Zensurprovider dabei ohne jegliche gesetzliche Grundlage handelt wird nicht so oft erwähnt.

Dezentraler Netzwiderstand formiert sich überall. Die Aktion Überwach ruft beispielsweise dazu auf, die Besuche von staatlichen und politischen Institutionen zu protokollieren und die Ergebnisse den Machern selbst unter die Nase zu reiben, die Stopp-Seite geht noch ein wenig härter ins Gericht und schlägt vor, jeder Seite im Netz ein Stoppschild vorzuschalten, um alle Besucher auf die Zensur-Pläne aufmerksam zu machen. Mit ganz ähnlichen Schockmomenten arbeiten die Nutzer von Kurz URLs, wie Beispielsweise TinyURL. Diese leiten die Anfragen an andere Domains weiter, wo der Nutzer erstmal mit einem "Ihre Daten wur­den an das BKA übermittelt« . So soll dem Besu­cher deut­lich gemacht wer­den, wie leicht sich Sper­ren dazu miß­brau­chen las­sen wür­den Unschul­dige durch das Unter­schie­ben fal­scher Links zu poten­ti­el­len Straft­tä­ter abzustempeln.

Mit einer Prise Humor ver­steht sich die Aktion Zen­siert Das!, bei dem man Wet­ten dar­auf abge­ben kann, wel­che Domains als ers­ters unter dem Deck­män­tel­chen der Netz­sper­ren wohl nicht mehr zugäng­lich sein dürf­ten. Bei Netzpolitik.org hat die Stel­lung­nah­men eini­ger deut­scher Politik-Blogger gesam­melt und über­sicht­lich ver­linkt. Kei­ner der Prot­ago­nis­ten sprach sich für eine Sperre aus, offen blieb ledig­lich die Frage ob das Wort Zen­sur wirk­lich ange­bracht sei. Viel­leicht auch, weil Arti­kel 5 des Grund­ge­set­zes sich gegen eine Zen­sur aus­spricht, die mit der dann auf­ge­bau­ten Infra­struk­tur pro­blem­los und unüber­prüf­bar mög­lich wäre.

In eini­gen ande­ren Län­dern wird bereits »erfolg­reich« mit einer Sperre gear­bei­tet, in Finn­land zum Bei­spiel sind zur Zeit rund 1000 Sei­ten gesperrt. Ein Finne selbst hat sich die Arbeit gemacht her­aus­zu­fin­den, wie­viele davon wirk­lich mit Kin­der­por­no­gra­phie zu tun haben. Er kam auf 9 Sei­ten.

Wer auf dem lau­fen­den blei­ben möchte, dem sei der Blog Netz­po­li­tik ans Herz gelegt, der immer sehr zeit­nah über die aktu­el­len Ereig­nisse berich­tet. Seine Zusam­men­fas­sung ver­schie­de­ner Stel­lung­nah­men ist sehr gut und sollte als wei­ter­füh­rende Lek­türe unbe­dingt ver­schlun­gen wer­den. Wei­ter­füh­rende Infor­ma­tio­nen dür­fen in den Kom­men­tare ergänzt und gesam­melt werden.

(Bild­quelle: blog.pantoffelpunk.de)
  1. Zeit Online: Umfrage zur Netz­sperre vom 20.05.2009 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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8 Kommentare

  1. Mir fällt dazu immer nur ein: Proxy + DNS-Server!
    Wenn die mit der Scheisse wirk­lich anfan­gen, dann wird wohl jede zweite Seite im Netz eine Anlei­tung ent­hal­ten, wie man die Zen­sur umge­hen kann. Ist ja kein Kunststück ;)

  2. Achja, grad gese­hen: uberwach.de blockt die Zugriffe der Behör­den nicht son­dern pro­to­kol­liert sie nur. Ich werd mich aber viel­leicht man ran­set­zen und ein WordPress-Plugin schrei­ben, dass die kom­plett blockt — die IP-Liste wird ja von uberwach.de veröffentlicht.

  3. Rich­tig: Kein Kunst­stück. Dazu gibt es mitt­ler­weile schon zahl­rei­che Anlei­tun­gen für Zen­sur­freies Inter­net in 30 Sekun­den. Aber ist das der rich­tige Weg?

    Ich habe dei­nen Hin­weis umge­setzt, natür­lich pro­to­kol­lie­ren sie nur. Vie­len Dank für dei­nen Hin­weis. Eine Sperre wäre viel­leicht einen Schritt zu weit für die Macher von Überwach.de, nicht aber für Tears? Bin gespannt auf dein WordPress-Plugin dazu.

  4. Der rich­tige Weg ist es natür­lich nicht, aber irgend­wel­che Unter­schrif­ten­samm­lun­gen im Inter­net? Wir ste­hen kurz vor den Wah­len und damit haben wir (ein­mal alle vier Jahre) die Mög­lich­keit gesam­melt als Volk sol­chen Voll­pfos­ten die Mei­nung zu gei­gen. Nehmt ihnen die Macht und die kön­nen in ihren vier Wän­den wei­ter­spin­nen. Jetzt kön­nen wir ent­we­der davon träu­men, dass die Peti­tion etwas bewirkt oder davon, dass das deut­sche Volk end­lich mal auf­hört irgend­wel­che Kon­troll­freaks zu wählen.

    Was am Aus­sper­ren zu hart sein sollte ver­stehe ich grund­sätz­lich nicht. Wenn Pro­test, dann doch aber bitte rich­tig und nicht mit halb­ga­ren JavaScript-Aktionen die jeder 10 Jäh­rige mit einem sim­plen Browser-Plugin umge­hen kann. Adblock Plus und die Seite ueberwacht.de auf die Fil­ter­liste gesetzt — schon ist das Thema erle­digt. Natür­lich lässt sich auch ein IP-Filter umge­hen, wenn die Her­ren und Damen von den Behör­den aber künf­tig mit Proxy sur­fen müs­sen, dann wäre das doch eine schöne deut­li­che Nach­richt in zwei Rich­tun­gen:
    1. Was ihr macht fin­den wir scheisse!
    2. Ihr könnt unsere Fil­ter umge­hen, wir eure aber auch!

  5. Unter­schrif­ten­samm­lun­gen sind sicher­lich auch nicht der opti­male Weg, aber eine Mög­lich­keit, immer­hin sind die Medien dar­auf auf­merk­sam gewor­den und The­ma­ti­sie­ren die andere Sicht­weise ebenso in den Nach­rich­ten. Wah­len sind so ein Thema für sich. Natür­lich haben wir die Mög­lich­keit den Poli­ti­kern unsere Mei­nung zu gei­gen indem wir sie bewusst nicht wäh­len, aber was sind die Alter­na­ti­ven? Mich würde inter­es­sie­ren, wie wählt ein 20jähriger?

    Dein letz­ter Absatz ist schwie­rig. Auf der einen Seite finde ich, das die Bekämp­fung mit den eige­nen Waf­fen eine wirk­same sein kann, auf der ande­ren Seite möchte ich jedoch nicht das­selbe Niveau ein­neh­men, auf das sich unsere Behör­den her­ab­las­sen. Was jetzt die rich­tige Form des Pro­tes­tes ist, da tue ich mich schwer. Ich finde Infor­ma­tion und jeman­den von der Falsch­heit die­ser Maß­nah­men zu über­zeu­gen sind ein ganz gutes Mit­tel, die Anzahl derer zu ver­grö­ßern, die dage­gen sind. So ist der Effekt bei der Wahl viel­leicht auch deutlicher.

  6. Ich finde es im Grunde eigent­lich grund­sätz­lich recht wit­zig, wenn die gan­zen Behör­den von mög­lichst vie­len Sei­ten aus­ge­sperrt wären. Ich stehe eigent­lich grund­sätz­lich nicht dar­auf, wenn das BKA auf mei­ner Seite rumsurft und wenn ich eine Anlei­tung etc. für irgend­was schreibe, dann aber bestimmt nicht für die CDU. :)

    Das selbe Niveau ein­neh­men? Dazu müss­ten wir den Hang zum Aktio­nis­mus besit­zen, denn viel mehr ist es bei Frau von der Leyen und Co. nicht. Haupt­sa­che so tun als hätte man was getan. Dass es inef­fek­tiv ist und im Grunde ledig­lich Kol­la­te­ral­scha­den erzeugt juckt die doch nicht, immer­hin haben sie was unter­nom­men. Ich finde das Sprich­wort »Wer Wind säht der wird Sturm ern­ten« da eigent­lich recht passend…

  7. Ja, eine sehr pas­sende Rede­wen­dung. Prin­zi­pi­ell finde ich jede Form der Mei­nungs­äu­ße­rung gut, denn wie­viele gibt es immer noch, denen es ein­fach egal ist und sich ihr Bild aus der gleich­na­mi­gen Zei­tung machen. Aber jetzt mal Hand auf´s Herz, wenn das BKA ernst­haft daran Inter­esse haben sollte auf Deine Seite zu gelan­gen, denke ich, das man dort intel­li­gent genug ist ihre Quelle ent­spre­chend zu ver­schlei­ern. Und wenn dem nicht so ist: Mich wun­dert gar nicht mehr :)

  8. Natür­lich kommt das BKA auf die Seite, ich komm ja auch auf jede Seite auf die ich möchte und die Hexe auf dem Bild oben wird daran auch nichts ändern. Trotz­dem wird erst­mal der Mit­tel­fin­ger gezückt und den Her­ren klar gemacht, was man von ihnen im Netz hält. Wegen mir kön­nen sie dann ruhig auf ein Proxy umstel­len und auf mei­ner Seite sur­fen — fin­den wer­den sie eh nix. :D

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