5 Januar

Ich Blogge - Journal oder Tagebuch?

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20094 Kommentare

Als ich mit dem Blog­gen begann, suchte ich für die Selbst­dar­stel­lung einen inter­es­san­ten Namen, ich nannte sie Ego. Um etwas dar­über zu erzäh­len warum ich blogge, musste ich erst­mal nach­schla­gen was das über­haupt ist. Wiki­pe­dia schreibt dazu »[…] ein auf einer Web­site geführ­tes und damit — meist öffent­lich — ein­seh­ba­res Tage­buch oder Jour­nal […]«.

Ich fand die Aus­sage erst­mal ganz hübsch, groß drü­ber nach­ge­dacht habe ich nicht. Jetzt fragt sich Konna in sei­nem Blog »Für wen blogge ich?«, der die Behaup­tung auf den Prüf­stand stellt, man blogge nur für sich — ich fand das sehr inter­es­sant. Er selbst möchte sein Ansich­ten von The­men die ihn inter­es­sie­ren ande­ren mit­tei­len und legt gro­ßen Wert auf die Kom­men­tare, die das Salz in der Suppe sind.

Für wen blogge ich also? [...] Ich blogge für Blogger, Film-, Musik- und Spielefans, hin und wieder für Freunde von Geschichte und Latein, für Internetsüchtige und Leute, die einfach ein bisschen Unterhaltung suchen. Oder für diejenigen, auf die mehrere dieser Dinge zutreffen. Und ein bisschen blogge ich auch für mich selbst.


Ich möchte noch einen Schritt wei­ter­ge­hen und finde, das jeder der vor­gibt nur für sich selbst zu blog­gen, lügt. Wenn ich nur für mich selbst blog­gen würde, warum ver­öf­fent­li­che ich das dann im Inter­net und mache mir sogar noch Sor­gen um ein Google Ran­king? Ich denke jeder Blog­ger möchte mit sei­nem Blog etwas errei­chen und wenn wir die kom­mer­zi­el­len Beweg­gründe ein­mal außen vor las­sen, blei­ben einige Blog­ger übrig, die ich ein­mal so kate­go­ri­sie­ren möchte.

Der eine sucht die Aner­ken­nung, er möchte von ande­ren für seine Ansich­ten, Mei­nun­gen, Wis­sen oder Enga­ge­ment bewun­dert oder benei­det wer­den — wenn er dabei unge­schickt vor­geht, wirkt diese Sorte schnell arro­gant. Der andere sucht Gehör und möchte, das seine Mei­nung andere Men­schen beein­flusst, er liebt kri­ti­sche Kom­men­tare und ist fast ent­täuscht wenn sich kei­ner auf­regt. Der Hil­fe­su­chende bloggt über Dinge die ihn beschäf­ti­gen, die ihn nach­denk­lich machen oder unter denen er lei­det. Er nutzt die anony­mi­sierte Öffent­lich­keit um sich Rat zu holen, Beach­tung zu erfah­ren oder Halt zu fin­den, in dem er neue Bekannt­schaf­ten knüpft. Eine wei­tere Moti­va­tion ist die Befrie­di­gung. Vie­len Men­schen erfah­ren innere Befrie­di­gung durch das Schrei­ben und for­mu­lie­ren und befreien sich so oft­mals von der Last des Alltags.

Sicher­lich gibt es auch nega­tive Beweg­gründe pri­va­ter Blog­ger. Die, die sich pro­fi­lie­ren möch­ten tun alles für ein mög­lichst such­ma­schi­nen­op­ti­mier­tes Blog in dem Sie oft­mals Inhalte ande­rer nur kurz auf­grei­fen und durch ent­spre­chende Besu­cher­zah­len­coun­ter Ein­druck schin­den möch­ten. Glück­li­cher­weise haben diese Blogs eine kurze Halb­wert­zeit und erle­di­gen sich meist von selbst.

Wie viel von jeder Sorte in einem selbst steckt, ist indi­vi­du­ell. Ich für mei­nen Teil suche Aner­ken­nung und finde es schön wenn andere meine Arti­kel gut fin­den oder ich hilf­reich sein konnte, ich möchte aber auch den Men­schen mit­tei­len was ich zu sagen habe und ver­schaffe mir so Gehör für meine Mei­nun­gen, ich freue mich wenn die Besu­cher ande­rer Mei­nung sind und durch ihre Kom­men­tare nicht das Salz in der Suppe, son­dern viel­leicht auch noch der Pfef­fer oder gar das Maggi sind.

Der Begriff Tage­buch, der nur die Schrift gewor­de­nen Form von Gedan­ken beschreibt um den Tag hin­ter sich zu las­sen wird dem Blog­gen nicht gerecht. In Lon­don gibt es am Rande des Hyde Parks einen Platz, die Speakers Cor­ner. Jeden Sonn­tag stel­len sich hier Men­schen auf und posau­nen ihre Mei­nung unter Volk, inter­agie­ren mit dem Publi­kum das eige­nes dafür die­sen Platz besucht. Der Unter­schied zum Web­log ist nur das Medium, oder?

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: , , ,

Verwandte Artikel

4 Kommentare

  1. Ist sicher bei­des — ein Blog archi­viert aber auch, kann durch­sucht wer­den, ist ein­fa­cher mit Bil­dern zu bestü­cken, als ein papier­nes Tage­buch.
    Inter­ak­tion mit dem Leser ist auch nicht von der Hand zu wei­sen — wer das nicht will, müßte kon­se­quen­ter­weise die Kom­men­tar­funk­tion deaktivieren.

  2. Völ­lig rich­tig! Die Auf­be­rei­tung der Gedan­ken kann im Zwei­fels­falle sehr Mul­ti­me­dial aus­fal­len, denn Bil­der, Ver­weise oder Videos bie­ten mehr für die Sinne. Ein Tage­buch hat in der Tat keine Kom­men­tar­funk­tion, wenn man die kon­se­quen­ter­weise deak­ti­viert, so unkt man, das ein Blog ohne Kom­men­tare gar kein Blog sei. [1]

  3. Ja das wollte ich auch ergän­zen. Ein Blog erin­nert. Gerade bei mas­si­ven Ver­än­de­run­gen im Leben (zu denen man sich vllt rat sucht oder wo man sich ein­fach auch nur mal aus­kot­zen will).…Deshalb hänge ich auch so sehr an mei­nem Blog. Ich erkenne mehr oder weni­ger ent­setzt wie­viele schi­zo­phrene Züge ich doch habe wenn ich zurück­bli­cke (Blog als Selbst­the­ra­pie).
    Ein zwei­ter Aspekt ist mit Sicher­heit dert ästhe­ti­sche. Ich liebe blin­kende GIFs und die kann man nicht so gut in sein papier­ta­ge­buch kleben.…ok frü­her hatte ich mal Sti­cker gesam­melt. ^-^
    Aber so rich­tig öffent­lich wollte ich nie sein, nur für RL-Freunde um das mai­len zu spa­ren und für Leute die ich sonst noch mag. (des­halb auch keine Google-Freischaltung)
    Aber eins ist bei allen Argu­men­ten und Beweg­grün­den klar: Blog­gen ist schon irgend­wie bekloppt! ^__^

  4. Der Grat zwi­schen Wahn­sinn und Genie ist eben sehr schmal ;) Ich finde den ästhe­ti­schen Aspekt ist der selbe wie beim Tage­buch, es gibt nur andere Mög­lich­kei­ten. Wäh­rend wir unsere Tage­bü­cher mit einer Locke der Liebs­ten schmück­ten, mit klei­nen Zeich­nun­gen Bil­dern schmück­ten machen wir heute das, was uns die Tech­nik leicht zugäng­lich macht.

    Die Erin­ne­rung ist auch eine für mich inter­es­sante Sache, umso gespann­ter sehe ich die­sem Jahr aus Blog­tech­ni­scher Sicht ent­ge­gen, denn die soll das erste durch­ge­b­loggte Jahr wer­den. Es ist schon jetzt inter­es­sant zu sehen, wie ich mich selbst wäh­rend des Blog­gens ver­än­dere, rein inhaltlich.

    Design ist ja immer Geschmacks­sa­che und drückt oft nur die eigene (aktu­elle) Sicht auf Ästhe­tik aus und muss nur einem selbst genügen.

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?