Als ich mit dem Bloggen begann, suchte ich für die Selbstdarstellung einen interessanten Namen, ich nannte sie Ego. Um etwas darüber zu erzählen warum ich blogge, musste ich erstmal nachschlagen was das überhaupt ist. Wikipedia schreibt dazu »[…] ein auf einer Website geführtes und damit — meist öffentlich — einsehbares Tagebuch oder Journal […]«.
Ich fand die Aussage erstmal ganz hübsch, groß drüber nachgedacht habe ich nicht. Jetzt fragt sich Konna in seinem Blog »Für wen blogge ich?«, der die Behauptung auf den Prüfstand stellt, man blogge nur für sich — ich fand das sehr interessant. Er selbst möchte sein Ansichten von Themen die ihn interessieren anderen mitteilen und legt großen Wert auf die Kommentare, die das Salz in der Suppe sind.
Für wen blogge ich also? [...] Ich blogge für Blogger, Film-, Musik- und Spielefans, hin und wieder für Freunde von Geschichte und Latein, für Internetsüchtige und Leute, die einfach ein bisschen Unterhaltung suchen. Oder für diejenigen, auf die mehrere dieser Dinge zutreffen. Und ein bisschen blogge ich auch für mich selbst.
Ich möchte noch einen Schritt weitergehen und finde, das jeder der vorgibt nur für sich selbst zu bloggen, lügt. Wenn ich nur für mich selbst bloggen würde, warum veröffentliche ich das dann im Internet und mache mir sogar noch Sorgen um ein Google Ranking? Ich denke jeder Blogger möchte mit seinem Blog etwas erreichen und wenn wir die kommerziellen Beweggründe einmal außen vor lassen, bleiben einige Blogger übrig, die ich einmal so kategorisieren möchte.
Der eine sucht die Anerkennung, er möchte von anderen für seine Ansichten, Meinungen, Wissen oder Engagement bewundert oder beneidet werden — wenn er dabei ungeschickt vorgeht, wirkt diese Sorte schnell arrogant. Der andere sucht Gehör und möchte, das seine Meinung andere Menschen beeinflusst, er liebt kritische Kommentare und ist fast enttäuscht wenn sich keiner aufregt. Der Hilfesuchende bloggt über Dinge die ihn beschäftigen, die ihn nachdenklich machen oder unter denen er leidet. Er nutzt die anonymisierte Öffentlichkeit um sich Rat zu holen, Beachtung zu erfahren oder Halt zu finden, in dem er neue Bekanntschaften knüpft. Eine weitere Motivation ist die Befriedigung. Vielen Menschen erfahren innere Befriedigung durch das Schreiben und formulieren und befreien sich so oftmals von der Last des Alltags.
Sicherlich gibt es auch negative Beweggründe privater Blogger. Die, die sich profilieren möchten tun alles für ein möglichst suchmaschinenoptimiertes Blog in dem Sie oftmals Inhalte anderer nur kurz aufgreifen und durch entsprechende Besucherzahlencounter Eindruck schinden möchten. Glücklicherweise haben diese Blogs eine kurze Halbwertzeit und erledigen sich meist von selbst.
Wie viel von jeder Sorte in einem selbst steckt, ist individuell. Ich für meinen Teil suche Anerkennung und finde es schön wenn andere meine Artikel gut finden oder ich hilfreich sein konnte, ich möchte aber auch den Menschen mitteilen was ich zu sagen habe und verschaffe mir so Gehör für meine Meinungen, ich freue mich wenn die Besucher anderer Meinung sind und durch ihre Kommentare nicht das Salz in der Suppe, sondern vielleicht auch noch der Pfeffer oder gar das Maggi sind.
Der Begriff Tagebuch, der nur die Schrift gewordenen Form von Gedanken beschreibt um den Tag hinter sich zu lassen wird dem Bloggen nicht gerecht. In London gibt es am Rande des Hyde Parks einen Platz, die Speakers Corner. Jeden Sonntag stellen sich hier Menschen auf und posaunen ihre Meinung unter Volk, interagieren mit dem Publikum das eigenes dafür diesen Platz besucht. Der Unterschied zum Weblog ist nur das Medium, oder?



hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 6. Januar 2009 um 14:16:
Ist sicher beides — ein Blog archiviert aber auch, kann durchsucht werden, ist einfacher mit Bildern zu bestücken, als ein papiernes Tagebuch.
Interaktion mit dem Leser ist auch nicht von der Hand zu weisen — wer das nicht will, müßte konsequenterweise die Kommentarfunktion deaktivieren.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Januar 2009 um 18:54:
Völlig richtig! Die Aufbereitung der Gedanken kann im Zweifelsfalle sehr Multimedial ausfallen, denn Bilder, Verweise oder Videos bieten mehr für die Sinne. Ein Tagebuch hat in der Tat keine Kommentarfunktion, wenn man die konsequenterweise deaktiviert, so unkt man, das ein Blog ohne Kommentare gar kein Blog sei. [1]
hat bereits 6 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Januar 2009 um 09:46:
Ja das wollte ich auch ergänzen. Ein Blog erinnert. Gerade bei massiven Veränderungen im Leben (zu denen man sich vllt rat sucht oder wo man sich einfach auch nur mal auskotzen will).…Deshalb hänge ich auch so sehr an meinem Blog. Ich erkenne mehr oder weniger entsetzt wieviele schizophrene Züge ich doch habe wenn ich zurückblicke (Blog als Selbsttherapie).
Ein zweiter Aspekt ist mit Sicherheit dert ästhetische. Ich liebe blinkende GIFs und die kann man nicht so gut in sein papiertagebuch kleben.…ok früher hatte ich mal Sticker gesammelt. ^-^
Aber so richtig öffentlich wollte ich nie sein, nur für RL-Freunde um das mailen zu sparen und für Leute die ich sonst noch mag. (deshalb auch keine Google-Freischaltung)
Aber eins ist bei allen Argumenten und Beweggründen klar: Bloggen ist schon irgendwie bekloppt! ^__^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Januar 2009 um 15:26:
Der Grat zwischen Wahnsinn und Genie ist eben sehr schmal ;) Ich finde den ästhetischen Aspekt ist der selbe wie beim Tagebuch, es gibt nur andere Möglichkeiten. Während wir unsere Tagebücher mit einer Locke der Liebsten schmückten, mit kleinen Zeichnungen Bildern schmückten machen wir heute das, was uns die Technik leicht zugänglich macht.
Die Erinnerung ist auch eine für mich interessante Sache, umso gespannter sehe ich diesem Jahr aus Blogtechnischer Sicht entgegen, denn die soll das erste durchgebloggte Jahr werden. Es ist schon jetzt interessant zu sehen, wie ich mich selbst während des Bloggens verändere, rein inhaltlich.
Design ist ja immer Geschmackssache und drückt oft nur die eigene (aktuelle) Sicht auf Ästhetik aus und muss nur einem selbst genügen.