29 Oktober

Halloween = Popcornkultur?

Kategorie: Ansichtssache, Schwarze Szene — Jahrgang: 20093 Kommentare

Halloween Pumpin Riesenkürbis

Ich fand es immer erstaunlich, wenn schon im August die ersten Dominosteine und Printen den Weg in die Regale des Einzelhandels fanden. Da es aber wohl zu wenig rentable Feiertage gibt, den der Handel für sich vereinnahmen kann, führte man vor einigen Jahren ganz still und heimlich Halloween ein, jedenfalls in die Regale, gleich neben die Printen und die Dominosteine. Dazu rührt man die Werbetrommel gerade im Kinder- und Jugendfernsehen und schon kann man Massenweise Kostüme und Süssigkeiten verkaufen. Klar das die Kinder voll darauf abfahren. Sankt Martin ist sowieso viel zu anstrengend. Lampen und Laternen basteln, dann auch noch singen? Nein, da ist das Brüllen von "Süßes oder Saures" doch viel einfacher.

Machen wir uns nichts vor, der Gewinner dieses Festes ist eindeutig die Industrie. Christliche Verbände sträuben sich gegen diese Amerikanisierung und kritisieren, das Sankt Martin und das traditionelle Martinssingen verdrängt werden. Es gibt aber noch weitere Konflikte, denn der Nachfolgetag, der 1. November ist der Allerheiligentag, der als stiller Feiertag geführt wird, sind Tanzveranstaltung ab Mitternacht verboten. Gerade unter Jugendlichen ist das Feiern von Halloween natürlich populärer und führt deshalb immer öfter zu Reibungspunkten, da diese offensichtlich lieber ausgelassen feiern als sich andächtig in der Kirche zu versammeln.

Doch woher kommt Halloween eigentlich? Das die Amerikaner nicht Urheber dieses Feiertags sind, scheint fast logisch. Irische Auswanderer brachten das Fest nach Amerika, das dort natürlich begeistert kommerzialisiert wurde. Ob es ursprünglich einem keltischen Brauchtum1  entstammt, oder man sich aus Angst vor umherirrenden Seelen verkleidete und ausgehölte Kürbisse vor die Tür stellte ist strittig. Unstrittig ist aber das es nach Thanksgiving und dem Independence Day zum populärsten und kommerziell erfolgreichsten amerikanischen Feiertag entwickelt hat.

Die Vermarktung hierzulande ist als unweigerliche Folge des amerikanischen Trends? Vielleicht nicht, denn auch hierzulande feierte man immer schon ähnliche Feste, in vielen lokalen Traditionen sind ähnlich Bräuche zu beobachten. Wenn man so möchte hat man der Feiertag in die USA exportiert und erhält ihn jetzt zurück, nur bunter und lauter. Als John Carpenter 1978 Halloween auf die Leinwand brachte, sorgte er schon zu diesem Zeitpunkt für eine unbewusste Konditionierung der Generation Golf. Die Film-Reihe, die 2007 ihr jüngstes Remake feierte, ist ebenso maßgeblich für den Mythos verantwortlich wie die Industrie, die diesen Trend etwa 1991 hier vermarktete.

Das ganze hat natürlich auch etwas was Gruftiges, die Attribute mit denen man sich schmückt und der gruselig schaurige Grundcharakter sind natürlich Einladung für jeden Goth, manche laufen sogar das ganze Jahr so herum und mutmaßen, jeden Tag sei Halloween. Manfred Becker-Huberti schreibt in seinem Artikel "Gru­se­lig grin­sende Geis­ter grü­ßen gräss­li­che Gruf­ties« von einer Eupho­rie, die das Zer­streu­ungs­be­dürf­nis einer gan­zen jugend­li­chen Gene­ra­tion beschreibt ist er weit ent­fernt und beschreibt sehr tref­fend »Hal­lo­ween ist ein Indi­ka­tor dafür, dass in unse­rer Gesell­schaft Ober­fläch­lich­keit tri­um­phiert, Spaß domi­niert. Dar­über kann man sich — bloß — ärgern.« Aber rich­tig, die Fas­zi­na­tion des Todes ist ein wich­ti­ges Grund­ele­ment der Gothic-Szene. Das man dazu mit mor­bi­den Fes­ten par­ti­zi­piert ist nor­ma­ler als man denkt, das bei den Mexi­ka­nern zeit­gleich der Tag der Toten gefei­ert wird, ist wohl kein Zufall. Ober­fläch­lich? Ja bestimmt, aber genauso ober­fläch­lich wie die Hand­ha­bung vie­ler Chris­ten an Aller­hei­li­gen sei­ner ver­stor­be­nen zu geden­ken. Das mache ich nicht an einem bestimm­ten Tag, son­dern immer dann, wenn ich das Bedürf­nis dazu ver­spüre. Das die Kir­che an die­sem Tag ihrer Hei­li­gen gedenkt, hat man vie­len Halb­tag­schris­ten wohl auch noch nicht gesteckt. In einem Punkt pflichte ich der Kir­che jedoch bei, ich finde es auch schade, das Sankt Mar­tin in den Hin­ter­grund gerät, denn das ist mei­ner Mei­nung nach eines der schöns­ten Feste, das uns die Kir­che beschert hat.

Ich habe es jeden­falls immer sehr schön gefun­den, von Haus­tür zu Haus­tür zu zie­hen und dabei mit mei­ner Engels­glei­chen Stimme um Süs­sig­kei­ten zu bit­ten. Ich bin mir sicher, das mein Gesang sehr bewe­gend gewe­sen sein muss, nur so ist zur erklä­ren warum ich so früh unter­bro­chen wurde und zu den unver­hoff­ten Gaben kam. Tja, meine Stimmt geht eben direkt ins Herz, das hält nie­mand lange aus. Bis es aber soweit ist, las­sen wir uns noch­ein­mal von Mari­lyn Man­son erklä­ren, was Hal­lo­ween ist:

(Bild­quelle: Terry Tyson/flickr.com)
  1. siehe Arti­kel zum kel­ti­schen Fei­er­tag Sam­hain, dem Tag an dem bei den Kel­ten der Win­ter ein­zog []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache, Schwarze Szene
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3 Kommentare

  1. Ach, war das frü­her schön, wenn man tüten­weise Süß­kram nach Hause schleppte und dann genüss­lich alles auf­es­sen durfte…ohne einen ermah­nen­den Zei­ge­fin­ger der Eltern zu sehen…

  2. St. Mar­tin Sin­gen gab es bei uns nicht, ebenso wenig Hal­lo­ween. Bei uns war der 5. Dezem­ber »hei­lig«, zumin­dest bei uns Kin­dern. Da war »Umlau­fen« und wir sind von Geschäft zu Geschäft gelau­fen und haben das »Nikol­aus­lied« gesun­gen, auf Hel­go­län­disch ver­steht sich ;) Süs­sig­kei­ten gab es mas­sen­weise *mampf*

    Da unser­ei­ner ohne­hin mit Kir­che, Glaube und Co. nicht viel am Hut hat, war ich sehr erstaunt das es in Mel­dorf (nach­dem ich 2006 hier­her gezo­gen bin) den Hal­lo­ween­brauch gibt … ich dachte immer auf dem »Dorf« pflegt man eher alte Bräu­che, wie z.B. das St. Mar­tin Singen.

    Ich bin ein­ge­fleisch­ter Hal­lo­ween Fan. Ich mag die Atmo­sphäre und den Spass den die Kid­dies dabei haben. Unsere Lütte mag es ebenso und die Beute von Ges­tern reicht erst­mal bis zum kom­men­den Nikolaus ;)

    In der D-Halle gab es ges­tern Party für die grös­se­ren Kin­der ;) Und auch hier scherte sich nach Mit­ter­nacht nie­mand darum das heute ein »stil­ler« Fei­er­tag ist … die Jugend­li­chen hats gefreut, die Kir­che sicher weniger.

    Ich bin mir sicher das Deine engel­hafte Stimme die Gros­sen zu Trä­nen gerührt hat … zu gerne würde ich mal eine Kost­probe hören :D

  3. @endgueltig: Stimmt :) Obst und gesunde Sachen waren ver­pönt, nein sowas wollte wir Kin­der nicht. Teil­weise gab es sogar einen Hei­er­mann (so nannte man mal das 5-Mark Stück).

    @stoffel: Andere Län­der andere Sit­ten? Also von die­sem Brauch auf Hel­go­land habe ich ehr­li­cher­weise noch nie etwas gehört, aber ein Nikol­aus­lied auf Hel­go­län­disch würde ich zu gerne von DIR hören :) Ich bin auch nicht grund­sätz­lich gegen Hal­lo­ween, ich finde es eben nur schade, wenn mei­ner Mei­nung nach schö­nere Bräu­che ver­lo­ren gehen sollte. Ich selbst war ja ges­tern auch auf einer Halloween-Party im Taunus…aber dazu spä­ter mehr.

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