30 Juni

Gute Freunde kann niemand trennen

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

vans-001Das man auch an mate­ri­elle Dinge sein Herz hän­gen kann, weiß ich nicht erst seit heute. Es gibt man­che Sachen die neh­men einen ganz beson­de­ren Platz im Leben ein, sowie bei­spiels­weise das erste Auto. Als ich 18 wurde, schenkte mein Vater mir den Füh­rer­schein, oder bes­ser gesagt das Geld die­sen zu machen, für mein ers­tes Auto habe ich einen Spar­ver­trag auf­ge­löst. Ein dun­kel­blauer VW Derby mit 55 PS war nicht nur eine Ent­schei­dung des Her­zens, son­dern auch eine Ent­schei­dung der Ver­nunft. Was habe ich mein Auto geliebt, die­ses neu erwor­bene Gefühl von Frei­heit und Unab­hän­gig­keit. Ent­fernte Orte rück­ten in erreich­bare Nähe, ein Aus­flug nach Düs­sel­dorf oder Köln endete nicht in einer Fahr­plan­ab­hän­gi­gen Bun­des­bahn­tor­tur1. Ich habe es geputzt und gepflegt, ver­schö­nert und repa­riert, über 150.000km sind wir zusam­men gefah­ren, in die­sem Auto hatte ich mei­nen ers­ten KFZ-Sex (das habe ich dem Käu­fer natür­lich nicht auf  die Nase gebun­den, denn ich war zwar geschützt, aber mein Auto nicht). So etwas schweißt zusam­men, auch wenn es nur ein Gegen­stand ist.

Ganz ähnlich ging es mir die letzte Woche mit mei­nen Alltags-Vans. Vans, da ist so eine Skater-Schuhmarke aus den USA und obwohl ich mich — dank feh­len­der kör­per­li­cher Koor­di­na­tion — nie län­ger als 10 30 Sekun­den auf einem Skate­board hal­ten konnte, fand ich diese Schuhe schön. Das Schwarz-Weiße Karo­mus­ter har­mo­niert bes­tens zu allen Gele­gen­hei­ten, vor allem zu mei­nen vor­wie­gend schwar­zen Kla­mot­ten, so habe ich Mitte 2006 ein Auge auf diese Paar Vans gewor­fen, konnte mich aber zu einem Kauf nicht durch­rin­gen. Niko­laus 2006 hat sich dann meine Herz­al­ler­liebste sel­bi­ges gefasst und mir die Schuhe zum Niko­laus­fest geschenkt. So lern­ten wir uns ken­nen, meine Vans und ich.

Am Anfang waren sie alles andere als bequem, das rein– und raus­schlüp­fen erfor­derte Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und eine Prise Durch­set­zungs­ver­mö­gen, doch lange konn­ten sich die Schuhe nicht gegen meine Füße weh­ren, schnell stellte sich das typi­sche ein­ge­latschte Gefühl ein. Neue Vans sehen im übri­gen auch Scheiße aus, nur ein­ge­latschte Vans sind echte Vans. Jetzt, etwa 2,5 Jahre spä­ter habe meine Schuhe rein funk­tio­nell das zeit­li­che geseg­net. Die Schnür­sen­kel sind geflickt, die Sohle ist lose und undicht und vorne lösen sich die Nähte in Wohl­ge­fal­len auf. Nach mei­nen letz­ten nas­sen Füs­sen vor ein paar Tagen stand dann der Ent­schluss fest, die Vans muss­ten in den Müll.

Doch von guten Freun­den trennt man sich nicht so leicht, Dinge die einem an das Herz gewach­sen sind möchte man nicht ein­fach weg­schmei­ßen. Immer noch ste­hen die Schuhe brav im Flur und schauen mich manch­mal mit trau­ri­gen Schnür­sen­ke­lö­sen an als wür­den sie dar­auf war­ten wie­der getra­gen zu wer­den. Ich werde sie aber weg­schmei­ßen, echt jetzt und so widme ich mei­nen Schu­hen die­sen Arti­kel, ein Nach­ruf an ein paar Vans sozu­sa­gen, denn Nach­rufe auf Michael Jack­son gibt es schon genug.

  1. Die Deut­sche Bahn hieß bis zum 1. Januar 1994 Bun­des­bahn und gehörte dem Staat []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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