11 September

Glaubwürdigkeit von Wahlplakaten

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20094 Kommentare

fdp_westerwelleAls ich gestern ein Wahlplakat von Guido Westerwelle gesehen habe, stutze ich, so hatte ich den FDP Parteivorsitzenden nicht in Erinnerung. Der Jürgen Prochnow der deutschen Politik, wie ich ihn immer liebevoll nannte, den ich für sein Charaktergesicht und seinen offenen Umgang mit der eigenen Homosexualität immer gemocht habe strahlte wie ein Honigkuchenpferd und wirkt auf mich seltsam verändert. Irgendwie glatter, irgendwie geleckter. Das die Bilder für den Wahlkampf allesamt am Computer retuschiert sein dürften, kann keine Neuigkeit sein.

Hier ein paar Augenringe der letzten Wahlkampfveranstaltung weg retuschieren, das ein oder andere Haar darf auch noch gegen ein buntes ausgetauscht werden, alles im Sinne einer jungen und frischen Partei. Klar werden die Kandidaten auch geschminkt und aufgemotzt, doch wo sind die Grenzen?

Es gibt offenbar doch mehr Sympathiewähler, die ihren Kandidaten nach dem Aussehen beurteilen und weniger nach den Ansichten, die dieser vertritt. Für mich verlieren solche Bilder an Glaubhaftigkeit, und wecken den Eindruck, die Kandidaten hätten noch mehr zu verbergen als ihr Gesicht. Die ganze Straße ist voll mit Gesichtern von denen einige wirken wie die Schergen des Jokers, der einst gegen Batman kämpfte.

Westerwelle_hamm_2009_ankunftLie­ber Guido Wes­ter­welle. Sicher­lich gestehe ich ihnen ein wenig Eitel­keit zu und ver­stehe ihr jah­re­lan­ges Leid mit die­ser Ent­stel­lung, wie sie das viel­leicht bezeich­nen. Ein Gesicht ist aber auch gleich­zei­tig das, was einen Cha­rak­ter spie­gelt, glau­ben sie nicht das ihre Wäh­ler ent­täuscht sein wer­den wenn sie Ihnen begeg­nen? Das ist so wie mit One-Night-Stands. Ange­hei­tert und mit ver­zerr­tem Men­schen­bild lässt man sich auf eine ver­meint­li­che gut aus­se­hende Frau (oder Mann) ein um am nächs­ten Mor­gen zu ent­de­cken, das die Brüste mit einem Push-Up gefälscht waren und meh­rere Schich­ten Schminke das eigent­li­che Gesicht ver­ber­gen, hohe Schuhe und zu enge Klei­dung vemit­tel­ten zusätz­lich eine Frau, die es eigent­lich nicht gibt. Glück­lich kann sich der schät­zen, der frü­her als der am Vor­abend noch als unwi­der­steh­lich emp­fun­dene Part­ner auf­wacht, seine Kla­mot­ten packt und das weite sucht. Also ich wäre ent­täuscht und trinke des­halb schon seit Jah­ren kei­nen Alko­hol mehr, viel­leicht sollte auch Sie den Alko­hol in ihrem Wahl­kampf­büro den Kampf ansa­gen, denn mei­ner beschei­de­nen Mei­nung nach besteht hier Nachholbedarf.

(Bild­quel­len: fdp.de, Dirk Vor­der­strasse/Wiki­pe­dia)

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: ,

Verwandte Artikel

4 Kommentare

  1. Ganz ehr­lich: Die Wahl ist zwar kein Cat­walk, aber sooooo schlimm finde ich das Bild jetzt nicht bear­bei­tet. Klar, es wird eini­ges auf­ge­hübscht und ein paar graue Sträh­nen wer­den ver­deckt. Aber was erwar­test du? Wahl­pla­kate auf denen Herr Wes­ter­welle unra­siert im Mor­gen­man­tel, mög­lichst noch mit Prä­MoLa zu sehen ist?

    Nein, also ich wähle sowieso nicht nach Gesicht (oder doch, aber aus die­sem Grund wähle ich den Grin­se­mann nicht) und von daher: Horst Schläm­mer for President!

  2. Die Wahl ist kein Cat­walk meine Her­ren! Sehr gut :) Unra­siert und im Mor­gen­man­tel? Nein, das erwarte ich nicht, viel­leicht ein biss­chen weni­ger Schminke und ein biss­chen mehr Gesicht, nicht nur auf den Plakaten ;)

  3. Als ich das Pla­kat gese­hen habe war mein ers­ter Gedanke zum Aus­spruch:
    »Arbeit muss sich wie­der loh­nen!»
    ab 5% Wäh­ler­stim­men lohnt es sich so richtig.

    Krass finde ich auch die Retu­sche bei Angela Mer­kel. (Wenn auch sehr gut gemacht)

  4. Stimmt Frau Mer­kel hat man auch extrem auf­ge­hübscht. Ganz aktu­ell hat man heute hier so ein Groß­for­mat­pla­kat auf­ge­stellt von dem sie lächelnd für Wäh­ler­stim­men wirbt. Bei dem Spruch »Arbeit muss sich wie­der loh­nen« schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Für wen?

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?