6 August

Enola Gay - Is Mother proud of Little Boy today?

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20107 Kommentare

Ein glei­ßen­der Blitz erhellt die Stadt. Die unglaub­li­che Hel­lig­keit und Inten­si­tät ver­dampft die obers­ten Haut­schich­ten ste­hen­ge­blie­be­ner Pas­san­ten, ihre Umrisse bren­nen sich in die Häu­ser­wände der Stadt kurz bevor die Druck­welle Men­schen und Häu­ser weg­reißt. Nie­mand im direk­ten Deto­na­ti­ons­be­reich über­lebt den Ein­schlag der Bombe, die töd­li­che Strah­lung legt sich wie ein Schleier des Todes über die Stadt. Noch wäh­rend die Feu­er­säule den Him­mel erhellt, ver­sinkt die Erde in tiefe Fins­ter­nis. Men­schen die vor der Hitze zum Fluss flie­hen und davon trin­ken, fal­len spä­ter die Haare aus. Rote Fle­cken bede­cken den gan­zen Kör­per noch bevor sie qual­voll inner­lich verbluten.

Heute vor 65 Jah­ren, am 6. August 1945 zer­störte eine Atom­bombe die japa­ni­sche Stadt Hiro­shima und tötete etwa 150.000 Men­schen. Um 8:15 wirft die Enola Gay, ein ame­ri­ka­ni­scher B29 Bom­ber seine töd­li­che Fracht »Little Boy« über der Stadt ab. Zusam­men mit der Bombe auf Naga­saki, die 3 Tage spä­ter abge­wor­fen wur­den been­den die Ame­ri­ka­ner ihren Krieg mit Japan und unter­zeich­nen am 2. Sep­tem­ber die Kapi­tu­la­tion des Landes.

Ato­mare Bom­ben und ato­mare Ener­gie gewin­nen in den Jah­ren nach Ende des 2. Welt­krie­ges zuneh­mend an Bedeu­tung und gip­feln in Wett­rüs­ten und dem kal­ten Krieg. Die gegen­sei­tige Andro­hung eines Atom­krie­ges der Super­mächte, die zynisch unter dem Begriff Abschre­ckung geführt wurde, beschwor erst­mals Aus­lö­schungs­sze­na­rien der Mensch­heit her­auf. Immer wie­der scheint der Streit zwi­schen Ost und West zu eska­lie­ren. In den 80ern wächst der Pro­test gegen ato­mare Machen­schaf­ten, in Deutsch­land wird offen gegen Atom­waf­fen pro­tes­tiert — die vor allem jun­gen Men­schen ersti­cken an der Gewiss­heit das es mit einem Knopf­druck vor­bei sein könnte und auch die Kern­en­er­gie, die man nach der Ölkrise 1973 als Heil­mit­tel für eine ein­sei­tige Abhän­gig­keit sah stößt auf Kri­tik. Atom­kraft? Nein Danke.

1980 schrie­ben Orches­tral Mano­eu­vres in the Dark (OMD) ihren Song Enola Gay das die Ereig­nisse in Hiro­shima musi­ka­lisch umsetzt und den ich heute anfüh­ren möchte um an den Tag zu erin­nern.« Is mother proud of Little Boy today?« heißt es in dem Song — Ist die Mut­ter stolz auf ihren klei­nen Jungen?

(Bild­quelle: Wiki­pe­dia)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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7 Kommentare

  1. Ist natür­lich kein schö­ner Anlass, aber das Lied gefällt mir ziem­lich gut — hatte ich vor­her noch nie gehört.
    Ich finde es nur so befremd­lich, wie hek­tisch der Herr sei­nen Bass bear­bei­tet… immer schön von oben ^^

  2. hey, ich kenne ein lied, das robert in sei­nen bei­trag ein­baut — dürfte eine der ers­ten male gewe­sen sein ;)

  3. Das Musik­stück kenne ich wohl schon seit ich den­ken kann, nur mit dem Text ver­ste­hen hats als Kind noch etwas geha­pert. Daher war das Lied für mich erst­mal in der Ecke »Gute Laune«, da es rein vom musi­ka­li­schen ja recht locker und fröh­lich daher kommt.
    Als ich OMD dann für mich wie­der ent­deckt habe und ange­fan­gen hab die Alben zusam­men­zu­sam­meln, habe ich natür­lich mal genauer hin­ge­hört, und das war schon ein ganz hef­ti­ger Schlag daß ein so ver­meint­lich fröh­li­ches Lied so einen bis­si­gen Text hat.
    Ich mag das Lied noch immer sehr gerne, gerade wegen dem offen­sicht­li­chen Kon­trast zwi­schen Musik und Text, es unter­streicht den eh schon sehr zynisch geschrie­be­nen Text ein­fach perfekt.

    Ansons­ten sind die geschicht­li­chen Ereig­nisse die hier ver­ar­bei­tet wur­den mal wie­der ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel dafür daß auch die USA mas­sigst Dreck am Ste­cken hat, nur offen­bar nichts dazu gelernt hat.

    Ich wart dann mal wei­ter auf das Raum­schiff daß mich nach Hause bringt ;)

  4. @Karnstein: Es muss nicht schön aus­se­hen, son­dern nur gut klin­gen. Ein wenig wun­dert es mich schon, das du das Lied noch nicht vor­her gehört hast. Und ande­rer­seits bin ich froh das es Dir unbe­kannt ist und dazu noch gefällt ;)

    @tobi: Ver­dammt. Ich muss meine Musik­aus­wahl wie­der aus dem Strom len­ken. Das du ein Lied bei mir kennst — nein, das geht nun wirk­lich nicht.

    @Rosa: Genau so habe ich das Lied auch in Erin­ne­rung. In den Bil­dern in mei­nem Kopf scheint es fest mit Lego (die­sen klei­nen Plas­tik­bau­stei­nen) ver­bun­den. Jeden­falls muss ich immer daran den­ken. Dem­ent­spre­chend über­rascht war ich dann auch einige Jahre spä­ter als sich der Zusam­men­hang zwi­schen Musik, Text und dem Ereig­nis her­stellte. Das mich, genau wie Dich, auch über­raschte. Immer­hin ent­deckt man so immer wie­der Dinge, über die man noch nichts weiß oder hört Text­teile, die neue Wis­sens­lü­cken hin­ter­lässt. Den Kon­trast emp­finde ich — genau wie du — als prä­gend für diese Zeit, denn hin­ter so man­chen fröh­li­chen Synthie-Melodie ver­birgt sich manch­mal »tiefgreifenderes«.

  5. @Robert: »Ist die Mut­ter stolz auf ihren klei­nen Jun­gen?»
    Die wört­li­che Über­set­zung trifft die Sache nicht wirk­lich. »Little Boy« war der Name der Atom­bombe. Also ver­mute ich, daß die Frage lau­ten müßte: Ist Ame­rika stolz auf die Aus­wir­kun­gen die­ser Atom­bombe?
    Sry, ist etwas unge­lenk for­mu­liert, aber mir fällt gerade nichts bes­se­res ein.

  6. @Vizioon: Die Tat­sa­che, das Little Boy die Atom­bombe selbst war, habe ich bereits im Arti­kel erwähnt. Ich bin mir der Dop­pel­deu­tig­keit sehr bewusst und habe die Über­set­zung genau so gewählt, wie sie mei­ner Mei­nung nach beab­sich­tigt war.

  7. @Robert: Ich wun­dere mich über mich selbst. Ich lese, und ver­gesse es sofort wie­der. Ich ent­schul­dige mich für die Nicht­un­ter­stel­lung der Dop­pel­deu­tig­keit.
    Obwohl ich schon glaube, daß Ame­rika stolz auf die Atom­bombe ist, auf die Aus­wir­kun­gen wahr­schein­lich weniger.

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