3 März

Drogen auf dem Prüfstand - Drug Checking

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang 2010

Dro­gen gibt es schon so lange es den Men­schen gibt, als die Ägyp­ter die Wir­kung von ver­go­re­nen Früch­ten ent­deck­ten war die Urform des Alko­hols gefun­den, die Wir­kung der Mohn­blume kannte man bereits vor 6000 Jah­ren und die alten Grie­chen fei­er­ten schon 1500 v.Chr. Dro­gen­par­tys mit dem Samen des Gra­nat­ap­fels (Mys­te­rien von Eleu­sis). Im laufe sei­ner Evo­lu­tion suchte der Mensch nach immer neuen Mög­lich­kei­ten sich in eine andere Bewusst­seins­ebene zu heben, das Leben aus­zu­blen­den oder sich ein­fach und sim­pel abzu­schie­ßen. Mit der Che­mie wurde Dro­gen immer wir­kungs­vol­ler und gefähr­li­cher, die Her­stel­lung wurde ein­fa­cher und ren­ta­bler.  Spä­tes­tens seit den 70ern und dem Sie­ges­zug des Hero­ins asso­zi­iert man Dro­gen auch mit Geld, Sucht und Tod. Wäh­rend die einen mit gol­de­nen Nasen die Früchte ihres Erfolgs genos­sen, stürz­ten andere Men­schen unge­bremst in ihr Ver­der­ben, gaben ihre Exis­tenz und letzt­lich auch ihr Leben auf.

Als die Ravek­ul­tur zu Beginn der 90er Jahre die Tanz­flä­che revo­lu­tio­nierte, stand eine pas­sende Droge bereits in den Start­lö­chern. Mit Ecs­tasy konnte man län­ger und  aus­ge­las­se­ner tan­zen und die Nacht zu Tag machen. Die lus­tig bun­ten Pil­len mach­ten eine Nadel, Besteck oder ein abge­schie­de­nes Plätz­chen über­flüs­sig. Bil­lig an der Stra­ßen­ecke ver­kauft, ver­sprach man sich davon das ulti­ma­tive Rave-Erlebnis.

Über die Sinn­haf­tig­keit von Ecs­tasy möchte ich aber gar nicht schrei­ben, son­dern viel­mehr über die Gefahr die von gestreck­ten Exem­pla­ren aus­ging und immer noch aus­geht. Als sich einen Bericht über Drug­che­cking der Sen­dung Poly­lux (wurde inzwi­schen ein­ge­stellt mit dem Ange­bot von poly­log zusam­men­ge­fasst) auf YouTube sah, fühlte ich mich ein­fach ani­miert etwas dazu zu schrei­ben. Da sich mit den Pil­len viel Geld ver­die­nen lässt, began­nen die Dea­ler damit, ihre Exem­plare zu stre­cken um so den Gewinn zu maxi­mie­ren. Aus der Spaß-Pille konnte so ein Selbstmord-Trip wer­den. Ohne ent­spre­chen­des Labor hat doch ein Kon­su­ment gar nicht die Mög­lich­keit her­aus­zu­fin­den, was in der bun­ten Tablette steckt.

Orga­ni­sa­tio­nen wie Eve & Rave bie­ten sich seit den 90ern an, die Tablet­ten vor der Ein­nahme zu tes­ten. Auf ein­schlä­gi­gen Raves ver­öf­fent­li­chen sie Warn­mel­dun­gen um nicht vor der Kon­sum zu war­nen, son­dern vor fal­schen und gestreck­ten Pil­len.  Sehr zum Unmut der Behör­den, die sich genö­tigt sahen etwas dage­gen zu Unter­neh­men da Ecs­tasy seit 1985 von der WHO als ver­bo­ten ein­ge­stuft wurde. Der Bericht von Poly­lux greift diese Pro­ble­ma­tik auf und zeigt, was dahintersteckt:

YouTube Preview Image

Doch so ganz unre­flek­tiert möchte ich die Sache nicht auf sich beru­hen las­sen, denn schließ­lich ist es eine Droge. Oder? Ich tue mich schwer damit Dro­gen zu unter­schei­den, für mich sind alle Mit­tel zu Bewusst­seins­ver­än­de­rung glei­cher­ma­ßen unat­trak­tiv. Sei es Ecs­tasy oder auch Alko­hol, die für mich nahezu auf einer Stufe ste­hen mit dem ein­zi­gen Unter­schied, das Alko­hol gesell­schaft­lich nicht als Droge oder Rausch­mit­tel betrach­tet wird.

Dro­gen set­zen keine Sucht vor­aus, auch Musik kann eine Droge sein. Etwas was mich ablenkt vom All­tag, die Gedan­ken beschäf­tigt und den Ver­stand aus­schal­tet. Etwas, was Gefühle in mir erzeugt die ich schön finde oder Bil­der formt, denen ich mit geschlos­se­nen Augen fol­gen kann. Je stär­ker die Droge auf den Kör­per wirkt, desto klei­ner wird die benö­tigte Phan­ta­sie um genau die­sen Zustand zu erreichen.

(Bild­quelle: Wiki­pe­dia)

3 Kommentare

  1. Manch­mal kann ich echt nur den Kopf schüt­teln über unsere Regie­rung … sehr, sehr schade das wir immer noch so ver­bohrte Köpfe an obers­ter Stelle sit­zen haben. Aber Haupt­sa­che die Poli­ti­ker kön­nen sich nach Fei­er­abend (oder wäh­rend der Arbeit, wer weiss das schon) ein Bier­chen hin­ter die Binde kippen.

  2. […]Aber Haupt­sa­che die Poli­ti­ker kön­nen sich nach Fei­er­abend […] ein Bier­chen hin­ter die Binde kip­pen. […]
    Das liegt wohl an dem reak­tio­nä­ren Wesen der Poli­tik. Ein Phä­no­men, das allzu nor­mal ist, wenn das Durch­schnitts­al­ter einer »Arbeits­ge­mein­schaft« bei 51 Jah­ren liegt. Das alt­be­währte kommt ins Kröpf­chen und das neu­ar­tige in Töpf­chen mit der Auf­schrift »Ver­bo­ten«
    Man betei­ligt sich im Staats­ap­pa­rat selbst freu­dig am Kon­sum von Alko­hol, Niko­tin und Kof­fein. Ver­bie­tet aber Can­na­bis oder diverse Pilze.
    Ebenso in ande­ren The­men­ge­bie­ten. Man betei­ligt sich feucht-fröhlich in Schüt­zen­ver­ei­nen, ille­ga­li­siert aber den Got­chasport. Tole­riert die sub­tile Gewalt­be­reicht­schaft der Medi­en­land­schaft, will aber am liebs­ten offen­kun­dige Com­pu­ter­spiele auf dem Schei­ter­hau­fen sehen. Unter­stützt finan­zi­ell sämt­li­che ethisch frag­wür­dige Pelz­far­men und Mas­sen­hal­tungs­an­la­gen deutsch­land­weit, erschwert aber in man­chen Bun­des­län­dern die Hal­tung eines sog. Lis­ten­hun­des auf dreiste Art und Weise, dass dar­auf­hin viele Tiere in Hei­men ver­ein­sam­ten.
    Denn nur, was schon immer so war, kann ja nicht schlecht sein. Alles andere, was die Damen und Her­ren Poli­ti­ker nicht mehr ver­ste­hen, besitzt schon ein gewis­ses Grund­übel in sich.

    Im Prin­zip halte ich von der Ein­nahme syn­the­ti­scher Dro­gen nichts. Und ora­ler oder inter­ve­nö­ser Dro­gen­kon­sum im All­ge­mei­nen zeugt nur –radi­kal aus­ge­drückt– von Schwä­che. Aber jenes »Drug­Che­cking« ist defi­ni­tiv der rich­tige Weg in Sachen staat­li­cher Umgang mit dem Thema. Unter­bin­den kann ein Ver­bot von Dro­gen sowieso nichts. Die Amis brach­ten mit ihrer Zeit der Pro­hi­bi­tion ja das leuch­tende Bei­spiel dafür. Dafür kann man auf­klä­ren und den Kon­su­men­ten vor gefähr­lich gestreck­tem Zeug war­nen bzw. bewah­ren. Kos­tete ja sowieso alles eine Menge Geld, vor allem, wenn die Opfer dann wegen unver­dau­li­chen Sub­stan­zen medi­zi­ni­sche behan­delt wer­den müs­sen.
    Das ein­zu­se­hen erfor­dert natür­lich einen gewis­sen Sach­ver­stand und geis­tige Fle­xi­bi­li­tät. Ein Gut, dass im Bun­des­deut­schen Poli­ti­kap­pa­rat längst Man­gel­ware gewor­den ist. Da nüt­zen auch Öster­reich und die Schweiz als Vor­bil­der nichts. Denn in Deutsch­land will mir der Staat ja noch immer erzäh­len, dass die Alko­hol­steuer unent­behr­lich ist. Obwohl einem jeder Gym­ni­a­sal­leh­rer für Natur­wis­sen­schaft oder Sozi­al­wirt­schaft vor­rech­nen kann, dass poten­zi­elle Alko­hollei­chen den Staats­haus­halt um ein viel­fa­ches mehr belas­ten, als die Ein­nah­men über­haupt ein­brin­gen könn­ten.
    Da nüt­zen auch andere Argu­mente nichts, dass z.B. der deut­sche Export­schla­ger schlecht­hin, das Rein­heits­ge­bot, nichts ande­res dar­stellt, als die Qua­li­täts­kon­trolle der Droge Bier. Da nützt auch nichts, dass der sinn­lose Sub­stanz­auf­druck an Ziga­ret­ten­pa­ckun­gen eben­falls dem­sel­ben Grund­ge­dan­ken folgt und nichts ande­res als »Drug­che­cking« darstellt.

    Die Droge an sich geht defi­ni­tiv ein­her mit der Mensch­heit und jenach­dem wie man den Begriff defi­niert, besitzt jeder seine eigene. Bei mir steht Musik und Sport recht weit oben auf der Skala. 5 Tage Ent­zug von bei­den, ohne eine gewisse Kom­pen­sie­rung oder Alter­na­tive, und mein Umfeld kann eine recht nette Wesens­ver­än­de­rung mei­ner­seits erle­ben. Ergo: Droge bzw. Sucht. Aber beide Begriffe soll­ten wie­der ihre neu­trale Bedeu­tung erhal­ten. Denn wenn die Poli­tik schon so schein­hei­lig zwi­schen »ver­bo­ten böse« und »gesell­schaft­lich gut« bei Dro­gen unter­schei­det, dann bitte offen und amt­lich. Das lin­dert zwar nicht den dahin­ter­ste­cken­den geis­ti­gen Offen­ba­rungs­eid, aber es könnte ein paar mit­lei­dige Sym­pa­thie­punkte brin­gen. Damit man der deut­schen Poli­tik noch ein­mal ehr­lich gut­mü­tig über den Kopf strei­cheln kann, wenn man auswandert.

  3. @stoffel: So ist es. Die Poli­tik ver­bringt mehr Zeit damit zu dis­ku­tie­ren als zu han­deln. In die­sem Sinne Prost!

    @Guldhan: Trau­rig aber wahr. Lei­der ist es noch nie wirk­lich anders gewe­sen, alte Struk­tu­ren sind hart wie Beton und nur der Zahn der Zeit lässt diese lang­sam auf­wei­chen. Obwohl ich denke, das die Halb­wert­zeit sol­cher Eng­stir­nig­keit lang­sam kür­zer wird. Wohl­mög­lich, das wir in 200 Jah­ren eine ganz andere Form der Demo­kra­tie leben.
    Mein Ver­hält­nis zu Dro­gen ist ja, wie im Arti­kel bereits erwähnt, ähnlich dei­nem. Gerade im Bezug zum Alko­hol han­deln wir immer noch zu lasch. 0,0 Pro­mille wäre ja schon mal ein Anfang. Das ist ja kein Ver­bot son­der eine Hilfe für den Auto­fah­rer der sich fragt, ob er „jetzt” noch fah­ren darf.
    Ob aus­wan­dern eine sinn­volle Alter­na­tive dar­stellt, lasse ich dahin­ge­stellt. Ich halte davon nichts. In ande­ren Län­dern mag es spe­zi­fisch bes­ser sein, doch in der Gesamt­heit hat jeden Land seine Tücken. Ich sehe hier sogar die Stär­ken der Deut­schen. Wir erstel­len uns eine eigene Col­lage aus Kul­tu­ren, Ansich­ten und Mög­lich­kei­ten und set­zen die für uns um. Für man­che erscheint das wie eine bil­lige Kopie, ich finde das es ein kon­ti­nu­ier­li­cher Ver­bes­se­rungs­pro­zess ist.

Schreibe einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich)

Hilfe zur Kommentareingabe?

Du kannst folgende xHTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Kommentaren ? Wenn der Haken in der Checkbox gesetzt ist, dann wirst du über neue Kommentare via E-Mail informiert. Der Versand erfolgt nur, wenn du die URL in der Bestätigungs-E-Mail genutzt hast oder schon Abonnent bei Spontis bist.

Ein Bild von Dir? (Avatare): Auf Gravatar.com kann man sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren und ein Bild hochladen, dann erscheint dieses Gravatar hier und in vielen weiteren Blogs.

Spamschutz: Wenn dein Kommentar nicht gleich erscheint, kann es sein das er im Spam-Ordner gelandet ist. Das passiert auch wenn du zuviele Links auf einmal benutzt.

Trackbacks/Pingbacks/Tweetbacks

  1. Zahl der Dro­gen­tote in Deutsch­land gesunken…

    Es ist trau­rig, aber wahr. Jedes Jahr ster­ben allein in Deutsch­land über tau­send Men­schen auf­grund einer Über­do­sis von Drogen. Doch die Zahl der Dro­gen­tote ist im ver­gan­ge­nen Jahr um acht Pro­zent gesun­ken. Im Jahr 2009 waren es 1331 .…..