18 Januar
Die Wolkenfabrik
»Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt…« sang Grönemeyer zu seinen besseren Zeiten und huldigte damit der Stadt, in der er aufgewachsen war. Doch noch weiter im Westen sieht es nicht viel besser aus, denn am Niederrhein sorgen unzählige Braunkohlekraftwerke ebenfalls für viel Schatten. Die Wolkenfabriken sorgen durch ihren riesigen Kühltürme für weithin sichtbare Wolkenlandschaft und tauchen das Land auch bei schönsten Sonnenschein in ein diffuses Licht, das in den Abendstunden für eine bedrückende Stimmung sorgt und die Menschen veranlasst die Stimmung des Sonnenuntergangs mit einer verkorksten Ansicht von Industrieromantik zu verwechseln. Es ist erdrückend, wenn die heiße Sonne des Tages im Schweif der Schornsteine versinkt und die Täler des Tagebaus für Minuten in ein goldenes Licht taucht, während der Braunkohlestaub wieder einmal die Sicht der Brille einschränkt.
Schon immer habe ich mich gefragt, wie man das jemandem eindrucksvoll vermitteln kann der so etwas nur aus dem Fernsehen kennt. Diese Frage hat Jeff Grewe bei vimeo für mich beantwortet in dem er einen Film von einem Kohlekraft im Zeitraffer schneidet und ihn dabei mit der Musik des Horror-Klassikers Shining hüllt. Obwohl das Video politisch rüberkommt, ist seine Intention eine künstlerische. Ich finde es einfach nur gruselig. Ruhig mal 1:29 Zeit nehmen, wirken lassen und dann seine Gedanken in den Kommentaren verewigen.
httpv://vimeo.com/8756755
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.
Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: Bochum, Kohle, Tagebau, video, Wolkenfabrik


hat bereits 158 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 22:29:
Das Video ist der Hammer. Die »Stimmung« kenne ich noch ein bischen, als ich im Ruhrgebiet wohnte.
In sehr, sehr abgeschwächter Form gibt es das auch hier oben im Norden von der Shell Raffinerie in Hemmingstedt. Entweder die produzieren massenhaft »Wolken« oder färben den Himmel rosa, blau oder was auch immer das es kaum zu ertragen ist :(
hat bereits 30 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Januar 2010 um 20:27:
Stimmt, zum Thema Wolkenfabrik fällt mir auch die von Stoffel genannte Raffinerie ein. Ich habe unseren Kinder im jüngeren Alter immer glaubhaft erzählen können, dass es sich tatsächlich um eine solche Wolkenfabrik handelt. Wir »Großen« hatten immer eine Wahnsinnsspass bei der Flunkerei.
hat bereits 1743 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Januar 2010 um 21:29:
@stoffel: Du hast im Ruhrgebiet gewohnt? Wie ist es nur dazu gekommen? :)
@Mysti: Du sollst doch nicht immer die Kinder auf den Arm nehmen, das ist fast so gemein wie die Erdrotation mit der Drehrichtung der Windräder zu erklären. Obwohl ganz abwegig ist das natürlich nicht, stellenweise sorgen die Wolkenfabriken für spontanen Schneefall oder sehr lokalen Regen :)
hat bereits 158 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Januar 2010 um 22:31:
Jap ganze 8 Jahre in Mülheim an der Ruhr … nach meiner Weiterbildung in Kiel bekam ich einen Job in Düsseldorf und mein Ex-Mann kam aus Mülheim … für mich als Nordlicht und Inselei war die Anfangsphase ein »Kulturschock« ;) Legte sich aber recht schnell.
hat bereits 1743 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. Januar 2010 um 23:49:
Jetzt weiß ich gar nicht wen ich mehr bemitleiden soll, deinen Ex-Mann oder Mülheim an der Ruhr. Und übrigens: Die einzigen Eier die im Norden leuchten, sind innen hohl. Kann man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen :)
hat bereits 158 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. Januar 2010 um 01:28:
Also ist Mülheim und/oder mein Ex zu bemitleiden und meinereiner ist innen hohl?
hat bereits 1743 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. Januar 2010 um 01:31:
Dem ersten Teil stimme ich zu, das du innen hohl bist kann ich nicht bestätigen. Ich stelle nur fest, das Eier, die man vorher ausgeblasen hat leuchten können wenn man eine Lampe hineinhängt. Der Rest ist Phantasie.