8 Mai
Die Qual der Wahl
Schon wieder wählen gehen? Ein schöner Samstag, so schön dass ich den Wunsch einen kleinen Einkaufsbummel zu versuchen in die Tat umgesetzt habe. Natürlich war ich mir der Tatsache bewusst, das es wohl voll werden würde. Schließlich steht die Landtagswahl vor der Tür und außerdem spielt der heimische Fußballverein auf eigenem Rasen. Auf halbem Weg dann verwunderte mich ein massives Polizeiaufgebot um den Stand einer Partei herum, das sich aus der Entfernung durch lautstarkes Pfeifen und Grölen einer anwesenden Menschenschar bemerkbar machte.
Ein verrücktes Bild. Da musste der mit rund 10 Personen besetzte Stand von vielleicht 80 Polizisten vor rund 120 aufgebrachten Menschen „beschützt” werden. Überall filmten Kameras das Geschehen. Die Partei Pro-NRW filmt mit 3 Kameras die gegen sie aufgebrachten Menschen, die ebenfalls mit 4 Kameras zurückfilmten. Mittendrin dann die Polizei, die ebenfalls mit 2 Kameras filmte. Der Überwachungsstaat färbt auf seine Bürger ab, irgendwie Paradox. Immerhin konnte man von den wahrscheinlich lächerlichen Parolen der Partei Pro-NRW nichts hören. Das ist auch besser so, sonst hätte sich wohlmöglich jemand dazu verleiten lassen können sich durch Menschen und Polizeiabsperrung zu drängen um eines der Flugblätter zu ergattern. Ruhige Minuten zwischen den Rufen aufgebrachter Bürger nutzte ich schamlos aus um mich selbst mit Pfiffen an der Gruppendynamik zu beteiligen.
Und dazwischen immer wieder Passanten, die von dem ganzen Geschehen nichts wissen wollten und der Sache lieber mit gesenktem Blick aus dem Weg gingen. Ein junges Paar kreuzte mein Sichtfeld, bei denen ich im vorbeigehen „Müssen wir schon wieder wählen gehen?” aufschnappen konnte. Ja, ihr müsst. Sonst bringt die ganze Demokratie nichts. Wen ihr wählt, müsst ihr entscheiden. Ihr seid unpolitisch und habt keinen Bock zu wählen? Gut, dann meckert aber später nicht rum was euch alles nicht gefällt an diesem (Bundes-)Land. Nutzt die Zeit die ihr bis morgen noch habt und beschäftigt euch mit der Landtagswahl in NRW mit den Kandidaten und den Programmen, jeder hat doch etwas, was ihn besonders stört oder interessiert. Unpolitisch heißt nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten was passiert.
hat bereits 49 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Mai 2010 um 20:03:
9 kameras ist nicht schlecht — und wählen gehen sollte eh mal pflicht werden!
hat bereits 77 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Mai 2010 um 18:12:
Jau, das braucht dieses Land. Darauf hat man gewartet. Noch eine lokale Grabbelgruppe von Hobbypolemikern und Egomanen mehr, die Politik für eine heitere Werbepause halten. Wer hätte gedacht, dass ich wirklich einmal froh bin, nicht mehr in NRW zu leben. Wobei ich deren Gründung eigentlich noch hätte miterleben müssen. Aber wahrscheinlich trauten die sich nicht mit Flyern auf den Campus.
Doch solang es Deutschland nicht schafft von jeder Partei die versehentlich vernünftigen und wirksamen Forderungen aufzugreifen und diese für den restlichen verzapften Blödsinn zu ohrfeigen, solange wird es noch Gehör für solche Parteien und solche Stände geben. Und vor allem solche Kameraaufgebote geben. 9 Kameras…derartig viele Sucher besitzen nicht einmal so manche Bahnhöfe.
Allerdings…aller berechtigter Lästerei und Antipathie zum Trotz, aber ich hätte ebenfalls keine Lust auf islamische Feiertage im Kalender. Denn Europa unterliegt nun einmal dem christlichen Getue und das ist mehr als genug. Ich hätte zumindest keine Lust hier irgendwann fünfmal am Tag von einem unverständlichen Schreihals genervt zu werden, der von dem Minarett von nebenan herunterplärrt. Denn wenn dann im Hintergrund dazu noch die evangelischen wie katholischen Kirchenglocken um die Vorherschafft zur Ruhestörung anbimmeln, dann würde man daraus noch immer nicht die Hymne zur Völkerverständigung oder Religionsgleichheit heraushören. Sondern einfach nur den Lärm unnötiger Selbstbehauptung.
Wählen gehen zur Pflicht? Am besten noch mit Aktenotiz bei jedem, der nicht ging…ich glaube, diese Zeiten sind zu Recht vorbei. Zudem bin ich froh, dass so mancher Clown, dessen Intelligenzquotient gerade noch dafür ausreichte um 18 Jahre lang nicht vor das Auto zu laufen [O-Ton Volker Piespers], von den Wahlkabinen fernbleibt. Ich würde eher sagen, dass das Recht zum Kreuzchenmachen mit einem gewissen Eignungstest verbunden sein sollte. Ich gehe eh nicht mehr wählen, weil ich meine, dass ich mit meiner Stimme etwas verändere. Wie auch, wenn der Rest Deutschlands fast ausschließlich die anderen Hohlpfeifen anbetet. Der einzige Grund weshalb ich mein Einladungskärtchen einlöse ist, damit ich mich dann zu Recht und traditionsgemäß über das Wahlergebnis aufregen kann und am politischen Kabarett noch meinen Spaß haben darf.
hat bereits 253 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Mai 2010 um 19:46:
Jo, zur Wahl gehen zu dürfen sollte jedem ein Privileg sein! Als ich 18 wurde und wählen durfte, habe ich mich echt darüber gefreut. Inzwischen freue mich nicht mehr darüber, aber ich mag das Gefühl, daß ich im Zweifelsfall den Parteien, die ich gar nicht mag/verstehe, eine Stimme wegnehme.
Ich vermute mal, der Kamera-Overkill hängt auch damit zusammen, daß mit Gewalt gerechnet wird (werden muß?). Dient letztendlich der Beweißfeststellung. Traurig, aber vielleicht notwendig.
hat bereits 1069 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Mai 2010 um 11:17:
@Guldhan: Islamische Feiertage habe auch nichts auf unserem Kalender verloren, soweit stimme ich Dir zu. Wenn du aber auf Pro-NRW ansprichst ist das nur der äußere Schein, denn die greifen eben diese Parolen auf und verkleiden sie unter politischem Geplänkel um letztendlich doch ihr verkorkstes Gedankengut unter die Leute zu bringen.
Aber du sagst es: Verbote bringen nichts. Eher ein mündiger Bürger. Doch leider wird es immer dumme Menschen geben, bleibt zu hoffen dass es möglichst wenige bleiben. Rein politisch habe ich mir meine Meinung gebildet und ja, vielleicht gehe ich auch ein Stück weit nur zur Wahl um mich berechtigterweise über das Ergebnis aufzuregen, vielleicht aber auch weil ich mit meiner Stimme meinen Interessen Gehör verschaffen kann, auch wenn die Ohren meist taub zu sein scheinen.
@Vizioon: Sicherlich, traurigerweise notwendig. Knüppel-Attacken übereifriger Polizisten oder blinde Zerstörungswut vermummter Idioten sei Dank. Vielleicht kann man es auch so sehen: Der Bürger wehrt sich mit den Mitteln des Staates. Der Artikel oben stellt ja nur eine Seite der Medaille dar.