12 Dezember

Die Popper, Avantgarde der Angepassten

Kategorie: Ansichtssache, Subkultur! — Jahrgang 2009

Popper vor einem CafeVor ein paar Tagen mut­maßte Mysti in einem Kom­men­tar, das ich durch das hören von Wham! wohl einer die­ser Pop­per gewe­sen sein könnte. Weit gefehlt, natür­lich war ich zu die­ser Zeit noch viel zu jung und zu unschul­dig. In die­sem Zusam­men­hang erin­nere ich nun an eine alte Jugend­be­we­gung der Belanglosigkeit.

30 Jahre ist es jetzt her, da spal­tete sich die Jugend des deut­schen Repu­blik in zwei grund­sätz­li­che Lager, die sich . Ent­we­der man war ein Pop­per oder ein Proll. Vor­bei die Zei­ten in denen sich die Jugend enga­gierte, auf die Straße ging um für ihre Rechte und eine neue, bes­sere Bil­dungs­po­li­tik demons­trier­ten. Die musi­ka­li­sche Revo­lu­tion in zeris­se­nen Kla­mot­ten und bun­ten Haa­ren, in der man sich sei­nen Frust gegen das Sys­tem und die eige­nen Exis­tenz aus dem Leibe brüllte, nein das eig­nete sich nicht für diese Jugend­li­chen. Wäh­rend die Punks „No Future” pro­pa­gier­ten und sich gegen das Esta­blish­ment auf­lehn­ten ent­schied man, sich wie­der ein eige­nes aufzubauen.

Die Pop­per hat gutes beneh­men und stamm­ten aus meist gut bür­ger­li­chen Fami­lien, die sich in der Nach­kriegs­zeit wie­der gesell­schaft­lich und finan­zi­elle gefes­tigt hat­ten. Ihr Ziel war es, spä­ter Anwalt oder Geschäfts­füh­rer zu wer­den und so viel Geld zu ver­die­nen. „Die obs­zöne Offen­heit, mit der sie bür­ger­li­che Werte und Ideale skan­dier­ten, machte sie zu Pro­vo­ka­teu­ren.1 Das sie sich mit die­ser Hal­tung die Punks zu Fein­den mach­ten, war ihnen klar und auch so gewollt.

Popper im popperoutfitDer Dress­code ori­en­tierte sich wie auch vie­len andere Trends an eng­li­schen Vor­bil­dern und gleicht in vie­len Ele­men­ten den Mods, die in den 60er Jah­ren in den eng­li­schen Städ­ten ihre Form von Geschmack und Aus­se­hen leb­ten, die aber im Gegen­satz zu vie­len Pop­pern hier­zu­lande aus der ver­hass­ten Arbeiter-Klasse selbst  stamm­ten. Die Kla­mot­ten waren daher vom feins­ten und die erste Ent­wick­lung in Rich­tung Mar­ken­fe­ti­schis­mus, Jeans von Fio­rucci, Jacken von Bur­berry und Pull­over von Lacoste bestim­men das äußere Erschei­nungs­bild. Die Haare wur­den im Gesicht getra­gen und erin­nern an die Fri­su­ren der heu­ti­gen Emo’s. Die typi­sche Pop­per­tolle mit Sei­ten­schei­tel war das typi­sche Erken­nungs­merk­mal der Jugendlichen.

1979 ver­öf­fent­lich­ten die bei­den Ham­bur­ger Schü­ler Carola Rön­ne­burg (16) und Mathias Lorenz (18) die Pop­per­k­nigge (hier als PDF Doku­ment), ein Mani­fest mit Ver­hal­tens­re­geln für den Pop­per von heute und den Nach­wuchs von Mor­gen. Was in Eigen­re­gie kopiert und ver­brei­tet wurde, war eigent­lich als Satire gedacht, die die gelebte Kri­tik­lo­sig­keit und das Des­in­ter­esse für alles poli­ti­sche anpran­gern sollte und das Kon­sum­ver­hal­ten ver­ur­teilte. Doch schnell ent­wi­ckelte sich das Werk zu Bibel eine Jugend­be­we­gung, die die über­spitz­ten Maxi­men der Pop­per­fi­bel leb­ten. „Der locker, leicht wip­pende Gang”, wurde ebenso gelebt wie das Berüh­rungs­ver­bot der eige­nen Haare, die nur durch eine ent­schlos­sene Kopf­be­we­gung nach hin­ten wie­der in Form gebracht wurden.

Man fuhr Mofa oder Rol­ler und gehörte damit zu moto­ri­sier­ten Avant­garde der frü­hen 80er, die in ihrem Kon­sum­ver­hal­ten ver­san­ken und die Spen­den­be­reit­schaft ihrer Eltern auf eine harte Probe stell­ten. Von einer ech­ten Sub­kul­tur kann man in die­sem Zusam­men­hang wohl nicht spre­chen, denn eine sol­che bil­dete sich nie, die Jugend­li­chen for­mier­ten sich eher in losen Grup­pen. Rein musi­ka­lisch ori­en­tierte man sich am Main­stream der frü­hen 80er und hörte ABC, Span­dau Bal­let, Hea­ven 17, Bron­ski Beat und Marc Almond (wobei das musi­ka­li­sche Gesamt­kunst­werk der Bands nicht beach­tet wurde). Man bevor­zugte unpo­li­ti­sche Musik Lie­der ohne wirk­li­che Mes­sage und hul­digte dem eige­nen Dasein in musi­ka­li­scher Belanglosigkeit.

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Die PopperkniggeSehen und gese­hen wer­den ist des Pop­pers Glück auf Erden”, schrieb die Pop­per­bi­bel in ihrem Leit­satz und läu­tete damit unge­wollt eine Reihe von poli­tisch und gesell­schaft­lich ange­pass­ten Jugend­kul­tu­ren ein. Obwohl die Pop­per sich mit errei­chen ihres Erwachsenen-Dasein 1984 auf­lös­ten, blie­ben wei­tere Kon­sum­ori­en­tierte und äußer­lich fixierte, Spa­ß­ori­en­tierte Bewe­gun­gen zurück, denen man etwa um 1990 sogar eine eigene Musik­rich­tung wid­mete, den Techno2.

Klaus Farin vom Ber­li­ner Archiv der Jugend­kul­tu­ren, sieht in den Pop­pern eher eine Schöp­fung der Medien: „Es war weni­ger eine Jugend­be­we­gung als ein­fach nur ein Stil, sich zurecht­zu­ma­chen. Es gab weder über­re­gio­nale Tref­fen noch Bands, die spe­zi­ell für diese Gruppe von Teen­ager stan­den.3

Das Wort Pop­per wird heute oft als Schimpf­wort betrach­tet, spie­gelt es doch die eigene Belang­lo­sig­keit der Jugend wider und steht bei man­chen Men­schen im Gegen­satz zu ihrem heu­ti­gen Auf­tre­ten. Carlo Rön­ne­burg, die damals die Texte schrieb sieht ihre Knig­ger als Künst­ler­pech, denn die heu­tige, offen­sicht­li­che Iro­nie wurde damals ein­fach nicht ver­stan­den. „An mei­ner Schule in Ham­burg erkann­ten sich einige Mit­schü­ler in den Kari­ka­tu­ren natür­lich wie­der. Ohne die­sen Kon­text konn­ten die Iro­nie­si­gnale natür­lich leicht miss­ver­stan­den wer­den.„3 Bei eini­gen wird es auch sicher­lich der Frust gewe­sen sein, sich kei­nen Pull­over für ein paar Hun­dert Mark leis­ten zu kön­nen um das zum Anlass zu neh­men über eben diese Jugend­li­chen zu lästern.

Mei­ner Mei­nung nach ist es ein Trug­schluss anzu­neh­men, 1984 wäre das Ende der Pop­per gewe­sen, rein ideo­lo­gisch gibt es die Pop­per heute auch noch. Es ist nur das Ende die­ser Bezeich­nung gewor­den, denn heute gehört über­trie­be­nes Kon­sum­ver­hal­ten zum All­tag vie­ler Men­schen. Kla­mot­ten zu tra­gen, die einen Namen und damit eine Marke reprä­sen­tie­ren, die man sich eigent­lich gar nicht leis­ten kann, gehört zum heu­ti­gen Leben vie­ler Men­schen ein­fach dazu. Das man sich über seine Status-Symbole defi­niert ist zur Nor­ma­li­tät gewor­den, auch ich gebe mir gerne unnö­ti­gen Din­gen hin, des­sen blo­ßer Besitz innere Befrie­di­gung schafft. Doch die­ses Ver­hal­ten darf nicht den All­tag bestim­men und ein gan­zes Leben defi­nie­ren. Spaß erle­ben ist erlaubt, Spaß zu leben ein Trug­schluss, denn es ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Gegen den Strom zu schwim­men ist schwer, viel schwe­rer als mit ihm zu trei­ben. Viel­leicht sollte man als Kom­pro­miss ver­su­chen Quer zum Strom zu schwim­men und sich so seine Kri­tik­fa­hig­keit, Skep­sis und Inter­esse zu bewahren.

(Bild­quelle: Eines­Ta­ges auf Spiegel-Online/Kai Grei­ser, Popper-Knigge)
  1. Aus dem Arti­kel: Die Rebel­lion der Kaschmir-Kinder auf Welt-Online in einem Arti­kel vom 4. Juli 2004 []
  2. Dies spie­gelt nur die eigene Ein­schät­zung des Autors wie­der und ist als Fakt im Zusam­men­hang mit die­sem Arti­kel rele­vant []
  3. Aus dem Arti­kel: Aal­glatt bis zum Anschlag, von eines­Ta­ges auf Spie­gel Online, Arti­kel von Jörg Ober­witt­ler am 16. Juli 2008 [] []

20 Kommentare

  1. Aus mei­ner Zeit (die 80er waren meine Sturm– und Drang­zeit) kann ich nur bestä­ti­gen, dass mei­ner einer zu der Gruppe gehörte, die zumin­des­tens in Jeans­kutte rum­ge­rannt sind. Der Rest der Kla­mot­ten­wahl war auch sicher das Gegen­teil dei­ner benann­ten Dress­be­schrei­bung eines Poppers.Wer alleine schon mit einem Rol­ler durch unse­rem Ort gefah­ren ist, war für uns schon unterste Schub­lade. Es gab sogar in unse­rer sehr länd­li­chen Gegend zwei Dis­ko­the­ken, in der sich eben die bei­den unter­schied­li­chen Grup­pen am Wochen­ende ver­gnüg­ten. Ein Über­lau­fen in die Pop­per­szene wurde mit Ver­ach­tung gestraft.Btw, dein Video ist optisch wie akkus­tisch nur AUA!!

  2. Bis dato haben wir das Glück das Kla­mot­ten einer bestimm­ten Marke bei unse­rer Lütte nicht als „Wich­tig” ange­se­hen wird. Ich denke das wird noch kom­men, aber unter­stüt­zen wer­den wir das nicht, im Gegen­teil. Aller­dings gehört es heute bei den Kid­dies schon zum „guten Ton” z.B. einen DS zu haben. Mate­ri­ell gese­hen kann das ganz schön ins Geld gehen, und mir tun die Kin­der ehr­lich gesagt leid deren Eltern aber auch alles mög­lich machen um das Mate­ri­elle dem heu­ti­gen „Stan­dard” anzu­pas­sen. Unsere Lütte weiss ganz genau das wir immer ver­su­chen ihre Wün­sche mög­lich zu machen, sofern es ins Bud­get passt, wenn ein Wunsch eben nicht finan­zier­bar ist hat sie immer noch die Mög­lich­keit selbst zu spa­ren. Meist sieht man dann wie wich­tig die­ser mate­ri­elle Wunsch bei Kin­dern ist ;)
    Pop­per gab es bei uns auf der Insel auch, lei­der ;) Aber sie gehör­ten den­noch zur Gemein­schaft dazu, was daran lag das bei ca. 1 Qua­drat­ki­lo­ma­ter Grösse kei­ner dem Ande­ren aus dem Weg gehen konnte ;)

  3. Bis dato wusste ich ja was Pop­pers sind, aber die da kannte ich noch nicht…

    Lei­der gibts die noch heute, ehr­lich gesagt denke ich die halbe Jugend (ja ich bin ja schon so alt) müsste man so bezeich­nen. Da müs­sen Ruck­sä­cke von Dakine her, und jeder muss jetzt ein Iphone haben usw. und jeder sieht wie ein Klon aus…

    Ich bin ja wirk­lich froh, dass meine Mut­ter mir schon früh bei­brachte, dass Mar­ken­den­ken doof ist, weil man dann viel­leicht was Inter­es­san­tes verpasst.

    und danke für den Ohren­scha­den, sowie die Migräne. Ich konnte schon als klei­nes Kind beige, um die Schul­tern gelegte Pull­over nicht ab.

    Und wie sang Bela B. so schön : „mach die Gitarre run­ter, wir wol­len dei­nen Sack nicht sehen…”

    Liebe Grüsse

  4. @Mysti: Schön dass das Video sol­che Reize bei Dir aus­löst, das war und ist beab­sich­tigt. Das Phä­no­men Popper/Proll ist auch mir damals auf­ge­fal­len, lei­der konnte ich mich nie so rich­tig einer Gruppe zuord­nen und habe mich zu denen gestellt, die Depeche-Mode Auf­nä­her und T-Shirts trugen.

    @Stoffel: Ja, in einem Insel­bio­top fin­det das meiste sowieso hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt :) Das sie zur Gemein­schaft dazu gehör­ten liegt sicher­lich daran, das sie ja eigent­lich der Traum jeder Schwie­ger­mut­ter waren, schön ange­zo­gen, gepflegt mit beneh­men und unra­di­ka­len Ansich­ten. Ange­passt eben. Mit eurer Toch­ter habt ihr natür­lich einen schwe­ren Stand, die gan­zen Ein­flüsse aus Schule, Umfeld, Freun­des­kreis, Medien und Musik sind stark und manch­mal wirkt ihr da sicher­lich mit eurer Ansicht wie zwei antike Reli­quien aus dem Mit­tel­al­ter *gg*

    @Atanua: Schön wenn deine Mut­ter so einen „posi­ti­ven” Ein­fluss auf dich hatte. Wie ich schon zu Stof­fel geschrie­ben habe ist es sehr schwer dem Druck von außen zu wider­ste­hen und nicht dem Schema zu ver­fal­len den Kin­der das zu ermög­li­chen was man „sel­ber nie hatte”, was natür­lich völ­li­ger Quatsch ist. Und schön, das auch Dir mein musi­ka­li­sches Kon­trast­bei­spiel so gut gefal­len hat.

  5. *lach* Das kommt bestimmt noch mit „Reli­quen aus dem Mit­tel­al­ter” … mit 10 Jah­ren ist die „Phase” zwi­schen „Ich bin cool” und „Ich will noch mit Play­mo­bil spie­len” noch nicht ganz abge­schlos­sen ;) D.h. der­zeit wan­kelt das. Da ich weiss das das noch schlim­mer wird in den kom­men­den Jah­ren bin ich gewapp­net ;) Grund­sätz­lich bin ich offen für alles was sie wünscht, erzählt, etc. Aber Gren­zen gehö­ren dazu und das weiss sie auch, auch wenn sie täg­lich tes­tet *ggg*.

    Von wegen „hin­ter ver­schlos­se­nen Türen” ;) Eins musst Du wis­sen, in einem Insel­bio­top haben die Wände Ohren *lach*.

  6. Zitat von dir:”… sie ja eigent­lich der Traum jeder Schwie­ger­mut­ter waren…„
    Meine Mut­ter hätte ich mich erschla­gen, wenn ich mit einer Pop­per­braut nach Hause gekom­men wäre. Sie brauchte Leute um sich, mit denen sie „kla­res Deutsch” spre­chen konnte, und die waren im dama­li­gen Kreis „der Ande­ren” sehr selten.

  7. Da fällt mir gerade auf Deine Uhr steht noch auf Sommerzeit ;)

  8. @stoffel: Auch Mäd­chen haben Hör­ner die sie sich absto­ßen müs­sen. Man­che schaf­fen das nie :) Danke für den Hin­weis mit der Sommer-/Winterzeit ich habe das jetzt korrigiert.

    @Mysti: Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel :) Obwohl kla­res Deutsch nörd­lich von Han­no­ver nicht mehr gespro­chen wird… sagt man… hab ich gehört…

  9. Hier in Ber­lin war das eigent­lich ganz nor­mal. Da gab es Pop­per, Teds, New Roman­tics, Mods, Rocker etc. Ich selbst war so ein Mit­tel­ding aus Pop­per und New Romantic. :-)

    Ich hörte Depe­che Mode, ABC, Blan­cMange, Rhein­gold, Ultra­vox, Duran Duran und spä­ter die kom­plette Neue Deut­sche Welle.

    Naja und heute höre ich mehr Rock, Pro­gres­sive Rock bzw. Art Rock. Jeden­falls sug­ge­riert das meine pri­vate Seite. http://blog-evangelist.de ;-)

    Und ja es war eine ver­dammt geile Zeit! Ich bin froh in den 80ern meine Jugend ver­bracht zu haben.

  10. Du warst also ein Pop­per mit Schminke im Gesicht? Cool :) Man­che von den Bands, die du gehört hast, höre ich immer noch :) Aber du hast recht, die Jugend in den 80er war schon eine schöne Zeit und mitt­ler­weile wird man ja in jedem Kla­mot­ten­la­den und jedem Schuh­la­den an diese Zeit erin­nert. So scheiße kön­nen wir also damals gar nicht aus­ge­se­hen haben, oder?

  11. Isch war auch Pop­per und wir hat­ten die coolste Musik der Welt! ;-)

  12. Die ich nur zugerne hören würde. Hier­mit for­dere ich Dich auf, einen ent­spre­chen­den Bei­trag auf dei­nem Blog zu ver­öf­fent­li­chen. „Mein Leben als Pop­per in Musik und Wort”.

  13. Du hast da wohl mit Hea­ven 17… und ‘Man bevor­zugte unpo­li­ti­sche Musik ohne wirk­li­che Mes­sage’ zwo Dinge arg durch­ein­an­der­ge­bracht. Damals wohl noch zu jung und heute schon zu vergesslich?

  14. @ronjaRT: Du sprichst sicher­lich das Werk „Fascist Groove Thang” an, das sei­ner­zeit wegen des poli­ti­schen Tex­tes Boy­kot­tiert wurde. Da stimme ich Dir zu. Du kannst aber nicht abstrei­ten, das viele der Nach­fol­ge­werke eher kom­mer­zi­ell ori­en­tiert waren und weni­ger pro­vo­ka­tiv klan­gen. Das von Dir zitierte „Man bevor­zugte unpo­li­ti­sche Musik ohne wirk­li­che Mes­sage” stimmt mei­ner Mei­nung nach wie vor und passt auch zu eini­gen ande­ren Stü­cken von Hea­ven 17.

    Diese Jugend­kul­tur von damals hatte einen sehr selek­ti­ven (unpo­li­tisch und ober­fläch­li­chen) Geschmack, die Gesamt­werke der Künst­ler wur­den nicht betrach­tet, auch wenn ich wohl noch zu jung war, das damals so zu erfassen.

    Viel­leicht ist der Text in die­ser Hin­sicht etwas ver­fäng­lich, da stimme ich Dir zu. Aber ver­gess­lich bin ich (noch) nicht. Wenn ich da was durch­ein­an­der­ge­bracht habe, dann nicht bewusst. Ich danke Dir trotz­dem für dei­nen Kom­men­tar, ich werde den Text viel­leicht etwas kla­rer gestalten.

  15. Hi Rob, ich will gar nicht(s)(ab)streiten. Du wirst jedoch mit dem Fakt leben müs­sen das „Pent­house And Pave­ment” ein kom­plett poli­tisch moti­vier­tes Kon­zept­al­bum war, wie ja auch der Name schon ver­mit­telt. „Fascist Groove Thang” ken­nen die meis­ten ja lei­der nur durch das etwas unglück­li­che Cover von Deine Lakaien, „height Of The Fight­ning” vom glei­chen Album war eine Anklage der US Kriegs­ma­schi­ne­rie und und und. „Crus­hed By The Wheels Of Indus­try” oder „Key To The World” vom sehr erfolg­rei­chen Album „The Luxury Gap” klag­ten die Zustän­der unter der Thatcher-Regierung und die auf­kom­men­den Yup­pies an. Die meis­ten wer­den von dem Album jedoch nur „Temp­ta­tion” ken­nen und auch das besagte schopn Zustände wie sie hier­zu­lande gerade die katho­li­sche Kir­sche und die Presse beschäf­ti­gen. Pro­vo­ka­tiv und kom­mer­zi­ell ori­en­tiert waren sie, gleich­zei­tig mit PiL (falls die hier jemand noch zufäl­lig unter Post­punk ein­sor­tiert) in der Hin­sicht, das sie ein eigene Pro­duk­ti­ons­firma grün­de­ten und Vir­gin ledig­lich für den Ver­trieb zustän­dig war. Wenn man so will, waren sie Pio­niere in Rich­tung Label­po­li­tik wie sie heute usus gewor­den ist. Und so leid es mir für dich tut, die Jungs kamen aus der Punk­szene (wer wie ich in Ham­burg gerade auf ihrer aller­ers­ten Tour — nach 30 Jah­ren(!) war) der weiß auch das sie noch immer Buzzcocks Cover­ver­sio­nen spielen.

    Hea­ven 17, respek­tive Human Lea­gue (deren Kern sie ja bis 1980 waren), gehört eigent­lich in die Kate­go­rie New Roman­tic, wenn man schon eine Schub­lade sucht. Steve Strange und seine Blitz Kids waren die ers­ten Pro­mo­ter der Band, hol­ten sie aus Shef­field nach Lon­don. Das ein­zige was Du ihnen vor­wer­fen könn­test ist, das sie irgend­wann kei­nen Bock mehr auf Nie­ten­gür­tel hat­ten ;-) Das Busi­nes­sout­fit war eine beab­sich­tigte Abgren­zung zum gras­sie­ren­den Pun­klook. Das spä­tere ein­bin­den von Nothern Soul in ihren Sound ein kla­res Bekennt­nis zu Tra­di­tio­nen der Mods und der Ein­wan­de­rer zu einer Zeit als es schick war auf der Insel ein Skin zu sein oder auf den Falk­land­in­seln zu sterben.

    Was Du, falls du jemals Stü­cke von Hea­ven 17 bewusst gehört hast, jedoch nicht abstrei­ten kannst ist, das es ohne Mar­tyn Ware das Genre Syn­t­hie­pop und den Erfolg von Bands wie Depe­che Mode, Yazoo oder auch Anne Clark so nicht gege­ben hätte. Genannte bezie­hen sich auf Fra­gen zu ihren Wur­zeln neben Kraft­werk eben auch auf Hea­ven 17. Aber letzt­lich schliesst Du wohl bei dei­ner Mei­nung über die Band nur über das Äussere ohne es wirk­lich zu ver­ste­hen. Genau so wie ich das bei Unhei­lig tue, wenn ich sage das er ein kom­mer­zi­ell erfolg­rei­cher Schla­ger­barde ist, oder wenn ich meine das ASP inzwi­schen die Tokyo Hotel für die Ü30 Gene­ra­tion sind.

    Siehe z.B. auch, http://www.flickr.com/photos/heaven17/

  16. @ronjaRT: Ja, ich gebe zu, das ich nicht mit dem sel­ben Hin­ter­grund­wis­sen zu Hea­ven 17 auf­war­ten kann wie Du. Das posi­tive daran ist, das ich nun durch deine Kom­men­tare einen dif­fe­ren­zier­te­ren Ein­blick in die Band und ihre Werke erhalte. Man lernt eben nie aus. Und strei­ten möchte ich auch nicht, aber diskutieren.

    Aber es muss Dir nicht leid tun, das die Jungs aus der Punk­szene kamen, schließ­lich sind die meis­ten New Waver und Syn­t­hie­bands der frü­hen 80er Kin­der des Punk. :)

    Pop­per, wor­auf sich mein Arti­kel bezieht, haben in der Musik nie die Tief­grün­dig­keit gesucht und ein Kon­zept­al­bum hätte sie als sol­ches nie inter­es­siert. Auch das Temp­ta­tion bei­spiels­weise die katho­li­sche Kir­che anpran­gert, ist eher hin­ter­grün­dig und erfor­dert eine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Text. Das haben die Kids von damals ein­fach nicht gemacht. Wenn du Dir man­che Stü­cke von den ande­ren Bands die ich genannt habe anschaust, fin­dest Du auch dort poli­tisch moti­vierte Texte. Trotz­dem wurde sie von Pop­pern gehört weil es „ein­fach gut klang und in der Hit­pa­rade lief”. Inhalt war meist Neben­sa­che und wurde nicht als sol­cher wahr­ge­nom­men. Das gibt es auch bis heute noch in die­ser Form.

    Ich werfe Hea­ven 17 gar nichts vor, da hast du mich falsch ver­stan­den. Ich weiß auch nicht wie du auf die Kla­mot­ten­schiene kommst? Nie­ten­gür­tel ist kein Syn­onym für poli­ti­schen Akti­vis­mus. Ich habe Hea­ven 17 in keine Schub­lade gesteckt, ich habe nur wie­der­ge­ge­ben, das die Kids die man zu den Pop­pern zählte eben diese Musik gehört haben. Das du die Aus­sage ‘Man bevor­zugte unpo­li­ti­sche Musik ohne wirk­li­che Mes­sage’ auf Hea­ven 17 als Gesamt­werk beziehst, liegt bei Dir und war sicher­lich nicht meine Intention.

    Dar­über hin­aus habe ich mir über Hea­ven 17 als Band oder Künst­ler auch keine Mei­nung gebil­det, schon gar nicht über das äußere. Da liegst du falsch.

    Wenn es um die Ursprünge des Syn­t­hie­pop geht kann ich natür­lich nicht abstrei­ten, das es mit Mar­tyn Ware um eine krea­tive Größe han­delt, ich bezweifle jedoch stark, das das Genre oder der Erfolg der von Dir genann­ten Bands von die­sem Mann abhing. Viel­leicht wäre etwas anders gelau­fen, aber die Syn­t­hie­po­p­ent­wick­lung ist förm­lich unaus­weich­lich gewe­sen, nach­dem die ers­ten Syn­the­si­zer erschwing­lich wurden.

    Kraft­werk lasse ich als Quelle durch­ge­hen, ebenso Pink Floyd oder auch ELP. Human Lea­gue, die Ware mit­grün­dete, halte ich für weg­wei­sen­der als spä­ter Hea­ven 17. Bands haben sich unter­ein­an­der immer beein­flusst, das galt für alle Pio­niere des Syn­th­pop. Letzt­lich sind Indus­trialo­ri­en­tierte Bands wie Throb­bing Gristle, Ein­stür­zende Neu­bau­ten ebenso ein Ein­fluss, ebenso wie Hea­ven 17.

    Aber letzt­lich schliesst Du wohl bei dei­ner Mei­nung über die Band nur über das Äussere ohne es wirk­lich zu ver­ste­hen. Genau so wie ich das bei Unhei­lig tue, wenn ich sage das er ein kom­mer­zi­ell erfolg­rei­cher Schla­ger­barde ist, oder wenn ich meine das ASP inzwi­schen die Tokyo Hotel für die Ü30 Gene­ra­tion sind.

    Wie schließt man denn von dem äuße­ren von Unhei­lig oder ASP dar­auf, das es Schla­ger­bar­den sind? Unrecht hast du natür­lich nicht, Unhei­lig sind tat­säch­lich zu (dunk­len) Schla­ger­bar­den mutiert. Wenn du mei­nen Blog wei­ter ver­fol­gen wür­dest (wor­über ich mich sehr freuen würde) wirst du erken­nen das ich immer ver­su­che NICHT über das äuße­rer auf jeman­den zu schließen.

  17. pro­gramm­tipp -> http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/tracks/3210878.html

  18. Danke für den Pro­gramm­tipp, habe mein Auf­nah­me­ge­rät bereits programmiert. :)

  19. @Robert

    lei­der konnte ich mich nie so rich­tig einer Gruppe zuord­nen und habe mich zu denen gestellt, die Depeche-Mode Auf­nä­her und T-Shirts trugen.”

    Ich hab mir einen Mod-Parker ange­zo­gen, hin­ten „Pink Floyd-The Wall” drauf­ge­schrie­ben und mich dann zu denen gestellt, die Depe­che Mode Auf­nä­her und Sex Pis­tols T-Shirts tru­gen. :-) Na ja, wir waren jung und orientierungslos ;-)

  20. @Orphi: Schön, das wir jung und ori­en­tie­rungs­los waren, ich emp­finde das als sehr ange­neh­men Teil der Jugend ;)

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