8 Februar

Currywurst in Köln - Ein Tag im Leben des Herrn F.

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20095 Kommentare

dom-bei-tagSamstag 07:30 - Müde sinke ich ins Bett, ich habe die letzte Nachtschicht hinter mich gebracht und das morgendliche und frische Stütchen vom Bäcker genossen, denn die wirklich frischen vom Bäcker Schiffer sind die besten.

11:30 - Spontilienchen weckt mich mit einer Tasse Kaffee, wir wollte heute nach Köln zum Einkaufsbummel. Versprochen ist versprochen und ausserdem bilde ich mir ein, das ich dann heute Abend auch wirklich müde bin und Nachtschichtgeschädigt nicht einschlafen kann.

11:45 - Kaffee ist leer, richtig wach bin ich noch nicht, aber rasieren und aufhübschen muss sein. Man will ja was bieten für seine Liebste und auch für Köln.

12:40 - Wir fahren mit dem Zug nach Köln, Autofahren finden wir doof, gerade in Köln legt man da für einen Parkplatz schnell mal 15€ aus, ganz abgesehen vom Sprit. Ach was, außerdem macht Zugfahren auch noch Spass und ich kann Zeitung lesen. Doof nur, das ich selten fahre und nicht weiß wie man eine Fahrkarte zieht, ein älterer Herr ohne Zähne hilft mir, nett von ihm.

13:35 - Köln, wirklich ein eindrucksvolle Stadt genauso wie die Preise für eine saubere Toilette auf dem Bahnhof. 1€ für das Pinkeln zu bezahlen halte ich schon für Abzocke, wäre ich doch im Zug noch gegangen, ich kann ja auch im stehen.

14:30 - Das Gedränge auf der Hohe Strasse und in der Schildergasse , den beiden Pulsadern des Kölner Konsums, habe wir hinter uns gelassen. Alles wirkt ein bisschen surreal, denn Stimmen und Sprachen aus aller Herren Ländern krabbeln in meiner Gehörwindungen, wenn ich jetzt die Augen schließen würde, könnte ich  eine Gedankenreise machen. Augen zu ist aber irgendwo kontraproduktiv. Bei New Yorker kann man echt ein paar schöne Schnäppchen schießen, keine Szenemode, einfach nur ein paar Basics.

15:00 - Es ist höllisch voll. Phänomen: Wenn mir jemand Fremdes zu nahe kommt, wird mir unbehaglich - eigener Intimkreis von 45cm und sowas, hat man ja alles schon mal gelesen - im Gedränge dicht an dicht ist dieses Gefühl verschwunden.

16:10 - Die Ehrenstraße und das Viertel drum herum war früher mal das Zentrum der jungen Kreativen. Wo sind sie alle hin? Mein geliebtes Studio59 ist verschwunden, bin wohl nicht der erste, der das bemerkt. Konnte man sonst immer prima Punk und Düsterzeug kaufen - jetzt ist die Ehrenstraße in eben diesen Mainstream eingetaucht und wirkt nur noch wie ein Abklatsch von dem was mal war. Super, auf koeln.de lese ich später, das sich die jungen Kreativen jetzt im belgischen Viertel zusammengerottet haben, hätte mir auch mal einer vorher sagen können.

16:15 - Spontilienchen möchte spontan zum Frisör. Da ich aber keine Lust auf warten habe, schlender ich ein bisschen umher. Ich entdecke, das sich hier unzählige Frisöre tummeln und das wohl Kölns haarigste Gegend zu sein scheint. Kurioser Weise sehe ich total viele Männer mit Glatze, offensichtlich neuer Chic. Ich halte nach Menschen Ausschau, die so aussehen, als würden sie in Läden einkaufen, in denen auch ich einkaufen würde. Klingt jetzt nach Klischee, funktioniert natürlich auch nicht, Studio59 kennt kaum noch einer und wirklich geholfen hat man mir nicht.

16:30 - Currywurst? Ich schon lange her das ich meine letzte Currywurst gegessen habe, jetzt unheimlich Bock drauf. Currywurst Forever klingt lustig, schmeckt auch prima - schön scharf, genau nach meinem Geschmack. Das lenkt ab vom Einkaufsfrust.

17:10 - Frisör ist durch, sieht gut aus. Da fällt mir der Second Hand Laden ein, in dem ich letztes Jahr schon mal war. Also wieder dahin. Leider besserte sich meine Laune nicht wirklich, die Preise die dort für kultige Second Hand Ware genommen werden entsprechen dem Neupreis der Klamotten. Second Hand ist Kult und Kult ist Kohle. Ich muss hier raus.  Memo an mich: Bewertung bei Qype ändern.

18:30 - Im Mediamarkt zum Druckerpatronenkauf. Bunt ist leer, daher ist mal wieder eine neue fällig. Leider ist die Orientierung denkbar schwierig, es gibt gefühlte 10.000 verschiedene Druckerpatronen für ein und den selben Hersteller, zu gefühlt überteuerten Preisen. Scheisse, jetzt klinge ich schon wieder frustig. Patronen gekauft und nichts wie raus.

19:10 - Abendessen beim (richtigen) Italiener, Antipasti zu Vorspeise und einen Salat mit Schafskäse hinterher. Ist jetzt kein Brüller gewesen, aber trotzdem lecker.

dom20:20 — Auf dem Weg zum Bahn­hof eine Stras­sen­ka­pelle in einer klei­nen Sei­ten­pas­sage gehört und den klas­si­schen Klän­gen von Bach gefolgt. Eine Geige, zwei Akkor­de­ons und eine Tuba schaf­fen in der hohen Pas­sage eine umwer­fende Akkus­tik. Die Jungs kön­nen auch noch höl­lisch gut spie­len und zie­hen vie­len Men­schen in ihren Bann, ein wirk­lich tol­les Bild. Da steht der Hip­Hop­per neben dem älte­ren Ehe­paar, der Pun­ker mit dem grü­nen Iro steht neben einer Mut­ter mit Kin­der­wa­gen und lau­schen andäch­tig. Ich stehe neben Spon­ti­li­en­chen, mei­nen Arm um sie gelegt und fühle eine furcht­bar ein­zig­ar­tige und roman­ti­sche Stim­mung. Der Blick auf den nächt­li­chen Dom run­det das Bild noch zusätz­lich ab, sol­che Momente erfül­len mich immer mit Leben. Ich fühle mich phi­lo­so­phisch und inspi­riert, toll!

21:00 — Nach­dem wir ein paar Emos am Ein­gang zum Bahn­hof pas­siert haben (ohne Quatsch, die haben gelacht und gescherzt!) , über­brü­cken wir die Zeit bis zum Zug mit einem Besuch im Zeit­schrif­ten­la­den, der eine tolle Aus­wahl an Musik­zeit­schrif­ten und Fan­zines bie­tet. Ich kaufe für 21,60€(!) Zeit­schrif­ten die ich noch nie gese­hen habe, der Bahn­hof wird plötz­lich von Fuß­ball­fans ver­schie­dens­ter Mann­schaf­ten gestürmt, die wohl alle im Rück­rei­se­ver­kehr ste­cken. Feu­er­werks­kör­per explo­die­ren, uni­for­mierte Beamte lau­fen, Schlacht­rufe, das Klir­ren von Bier­fla­schen auf Mar­mor­bo­den und Gegröle bie­ten dem Bahn­hof eine ein­drucks­volle Geräuschkulisse.

23:30 — Zuhause. Ich bin so erschöpft und Müde, kann aber mit Spon­ti­li­en­chen auf dem Sofa ein­fach nicht ent­span­nen. Scheiss Nacht­schicht. Ach was, geh ich hald bloggen.

02:25 — Hab ich jetzt echt 2,5 Stun­den für die­sen lächer­li­chen Ein­trag gebraucht? Memo an mich: 1. Nicht müde blog­gen, 2. Fin­ger­fer­tig­keit trai­nie­ren, 3. Duden unter das Kopf­kis­sen legen. 16 Stun­den sind genug, ich kann nicht mehr, ich geh jetzt pennen.

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: ,

Verwandte Artikel

5 Kommentare

  1. Dann mal gute Nacht. Wenn ich mir über­lege, dass ich in ca. vier Stun­den auf­ge­ste­hen muss, jetzt hier schon Alko­hol in mich rein­schütte um end­lich müde zu wer­den (der Erfolg ist mäßig) und ich, sollte ich noch län­ger wach blei­ben, auch noch Kip­pen holen muss ver­geht mir rich­tig die Lust. Mor­gen dann zu mei­nen Eltern, immer­hin muss ich aus­nahms­weise die 150km nicht selbst fah­ren… herr­lich, immer­hin war heute kein Scheiß­tag (würde ich dar­über blog­gen müsste man den Inhalt zwi­schen den Schimpf­wor­ten suchen).

  2. Danke Dir für’s zum Schmun­zeln bringen :)

  3. @Tears: Die Nacht war gut, aber den­noch viel zu kurz — ob Alko­hol aber eine geeig­nete Methode zur Schlaf­fin­dung ist, wage ich zu bezwei­feln, wegen dem Kip­pen holen nach­dem ich sie auf­ge­raucht hatte, bin ich zu mei­nen Rau­cher­zei­ten auch immer ver­zwei­felt. Ganz schlimm ist es dann gewor­den, wenn auch kein Klein­geld mehr da war um den Ziga­ret­ten­au­to­ma­ten zu füt­tern, schließ­lich hat ja Nachts hier in der Pro­vinz nix auf, außer viel­leicht Tank­stel­len, aber die sind zu weit weg. Des­we­gen habe ich aber kurio­ser Weise nur kurz das Rau­chen ein­ge­stellt, solange, bis ent­we­der Klein­geld da war, oder ich noch irgendwo Kip­pen gefun­den habe.

    @Stoffel: Bitte, schön das ich wenigs­tens einem die Fröh­lich­keit mei­nes Seins ver­mit­teln konnte ;)

  4. Du bist echt ein hoff­nungs­lo­ser Roman­ti­ker. :-) Geige, Akkor­deon und Tuba in einer Ein­kaufs­pas­sage mit­ten in der Groß­stadt — inmit­ten von Hip­Hop­pern und ande­ren Leu­ten und du fühlst Roman­tik. Ich hätte ver­mut­lich eher den Drang ver­spürt, mich ziem­lich zügig von die­sem Ort zu ver­ab­schie­den — vor allem, wenn irgend­wer den Arm um mich legt und mich FESTHÄLT. :-)

    Ich mag Köln nicht beson­ders. Die Stadt ist mei­ner Mei­nung nach zu sehr auf Kom­merz und Medien getrimmt. Viel­leicht gibt es schöne Ecken, die nur Ein­hei­mi­sche fin­den. Die Innen­stadt inklu­sive Fuß­gän­ger­zone reizt mich jeden­falls abso­lut nicht.

    Ich bekomme auch immer schlechte Laune, wenn ich sehe, dass in ehe­mals schö­nen Stadt­vier­teln mit ori­gi­nel­len Läden die übli­chen Franchise-Ketten und Mainstream-Boutiquen Ein­zug hal­ten. Viel­leicht scheue ich mich des­halb, mein gelieb­tes Wien nach so vie­len Jah­ren noch ein­mal zu besu­chen. Bald wer­den alle Städte gleich aus­se­hen — wenn es nicht sogar schon bei­nahe so ist.

  5. Ein Hoff­nungs­lo­ser Fall, meis­tens. Lei­der belehrt mich die Rea­li­tät immer wie­der eines ande­ren und stößt mich vor den Kopf. Aber wie du schon sagst, Hoffnungslos.

    Städte sind immer im Wan­del. Was in Köln einst Under­groun­dig und ein­zig­ar­tig war ist heute im Main­stream, genauso wie in Wien. Den­noch bil­den sich vor allem in gro­ßen Städ­ten immer wie­der neue hoff­nungs­volle Rand­ge­biete die es sich zu suchen lohnt. Die Köl­ner Ein­kaufs­straße ist sicher kein urba­nes High­light, aber ab und zu macht ein Ein­kaufs­bum­mel Laune — lei­der finde ich sel­ten etwas schö­nes für mich :)

    Das Städte etwas glei­ches an sich haben, kann ich bestä­ti­gen. Vor allem Nachts, was nicht unbe­dingt an der Dun­kel­heit liegt. Frank­furt, Mainz, Köln, Ber­lin? Nur schön mit jeman­dem der einen an die Hand nimmt und auf Ent­de­ckungs­reise geht.

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?