8 Dezember
Briten blockieren Wikipedia Artikel der Scorpions
Seit Wind of Change kennt die Scorpions eigentlich jeder, die Hymne der deutschen Einheit gehört mittlerweile zu den tot gespieltesten Liedern meiner persönlichen musikalischen Zeitrechnung. Das dieser Wind der Veränderung die Alt-Rocker noch einmal mit Ihrer Vergangenheit konfrontiert, dürfte nicht nur innerhalb der Band für Aufsehen gesorgt haben. Stein des Anstoßes ist das Cover des 1976 erschienen Albums Virgin Killer (Jungfrauen Mörder), das ein nacktes und offenbar kindliches Mädchen hinter einen zersprungenen Glasscheibe zeigt. Wikipedia zeigt dieses Cover in ihrem englischsprachigen Artikel über dieses Album und wurde deswegen für die britischen Nutzer des Internets gesperrt.
Die 6 größten britischen Internetprovider sind der Empfehlung der Internet Watch Foundation (IWF) nachgekommen und haben den Zugang zu diesem Artikel blockiert, damit kann der größte Teil der britischen Bevölkerung diesen Artikel nicht mehr aufrufen. Sie fürchten, mit dem Gesetz zum Schutz vor Kinderpornographie in Konflikt zu kommen. Schon 1976 sorgte das Cover international für Aufsehen und wurde durch einige Länder zensiert und durch die Darstellung der Bandmitglieder ersetzt, um den kommerziellen Erfolg nicht zu gefährden.
Zensur oder nachvollziehbare Entscheidung? Ich persönlich halte jede Form von Weglassen, Verschweigen oder Löschen von Inhalten in solchen Artikeln für Zensur, ist doch ein Wikipedia Artikel ein gute Möglichkeit offen mit dem Thema umzugehen und darüber aufzuklären. Allein durch diesen wohl ungewollten Marketing Erfolg werden anderen Quellen die dieses Cover zeigen massenhaft angesteuert. So ist das Bild auch auf den Internetseiten der Band zu sehen. Was lernen wir aber daraus? In England ist es scheinbar möglich einzelne Artikel zu sperren ohne gleich alles dicht zu machen. Zumindest davon sollten sich die deutschen Gerichte, die Lutz Heilmann eine einstweilige Verfügung verschafft haben eine Scheibe abschneiden.
Was aber bringt diese Zensur, wenn das Bild sowie in irgendeiner Form irgendwo zu finden ist, denn ich unterstelle einmal, dass der Großteil der Briten sicherlich dazu in der Lage sein wird dieses Bild zu sehen, von dem die meisten erst über besagtes Verbot erfahren haben. Verkehrte Welt.
Sollten solche Bilder zensiert werden um seine Bürger und deren Kinder zu schützen? Ist so etwas noch Kunst oder bewusst eingesetztes Mittel? Heute würde sich sicherlich keine mehr trauen etwas ähnliches zu veröffentlichen, da bin ich mir sicher.
(Bildquelle: Wordmagazin.co.uk)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: england, Scorpions, Virgin Killer, Wikipedia, zensur


hat bereits 207 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Dezember 2008 um 18:50:
Was ist schlimmer: Die Zensur an Wikipedia wegen eines Bildes das wohl klar kinderpornografisch ist und wohl nur zu dem Zweck auf die Platte gedruckt wurde um durch diesen Skandal möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen oder die Tatsache, dass eine eigentlich »normale« Band sich ein fast unzensiertes nacktes Kind auf ihre CD drucken lässt?
Eine künstlerische Leistung sehe ich in dem Cover nicht, daher fällt es in meinen Augen klar in die Sparte der Kinderpornografie und da finde ich Zensur durchaus tragbar. Interessant wäre das tatsächliche Alter des Mädchens — Fotomontage etc. machen da ja so einiges möglich, wobei das die Tatsache nur marginal verbessern würde.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 9. Dezember 2008 um 01:43:
Um Gottes Willen, nein!
Ist Dir zumindest ansatzweise klar, welche Zensurinfrastruktur in GB vorhanden ist, die diese teilweise Sperrung ermöglicht?
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Dezember 2008 um 15:08:
Leider nicht. Gerne wüsste ich mehr über die Zensurinfrastruktur in England. Doch auch wenn ich nicht bescheid weiß, so finde ich das Prinzip sinnvoller als das deutsche Modell, auch wenn die technische und rechtliche Umsetzung heikel ist.
Ich würde mich auch über ein unzensiertes und freies Internet freuen, aber wie sieht die Realität aus? Ein einzelner Abgeordneter ist in der Lage den Zugang zu einer ganzen Seite zu sperren? Wenn um einen herum alles schlecht ist sucht man sich da nicht das weniger schlechte?
Doch danke für deine Meinung Jens, es würde mich freuen mehr über die Zensur und deren Infrastruktur in England zu erfahren, in den Artikeln die in deinem Blog verlinkt sind, konnte ich auch keiner weiterführenden Informationen finden. Heise schreibt lediglich, das die Provider alle Anfragen über einen transparenten Proxy leiten würden, der die entsprechenden Anfragen filtert. Schwierig. Wo ziehst du also die Grenze zwischen Zensur und Schutz?
hat bereits 5 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. April 2009 um 21:03:
Hi,
lustig finde ich, dass wenn man das wort »virgin« als bild googelt, als erstes das cover angezeigt wird.
wer sperrt dann google…
;-)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. September 2009 um 20:47:
In der Tat Michael, es ist ebenfalls sehr erstaunlich, das dieser Artikel nur durch das Bild was über Google gefunden wird zu einem der meist gelesenen wird.