25 Februar

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20093 Kommentare

karneval in gladbach6 Tage Aus­nah­me­zu­stand im Rhein­land. 6 Tage lang Kar­ne­val, von Alt­wei­ber am Don­ners­tag bis zum gest­ri­gen Veil­chen­diens­tags­zug mas­kierte, ver­klei­dete und kos­tü­mierte Men­schen. 6 Tage lang haben Men­schen jeder Gesell­schafts­schicht, jeden Alters und jeder Gesin­nung einen Grund Alko­hol zu trin­ken und sich dane­ben zu beneh­men. Manch­mal fühlt es sich so an, als wären vie­len dann das, was sich sich schon immer erträumt haben. Jugend­li­che Rand­grup­pen und Sze­n­e­mit­glie­der schei­nen 6 Tage lang aus­ge­blen­det, ein Gothic ver­kommt zum Kos­tüm, bunte Haare sind nicht mehr ein Sym­bol der Abgren­zung, son­dern wer­den zum Sym­bol der Zuge­hö­rig­keit. Irgend­wie scheint das Rhein­land in die­ser Zeit ehr­li­cher zu sein, bei vie­len Men­schen wirkt der Alko­hol wie ein Ver­hal­ten­ska­ta­ly­sa­tor, die einen wer­den Hem­mungs­lo­ser, die ande­ren Aggres­si­ver, andere wer­den auch ein­fach nur müde. Am Ascher­mitt­woch ist alles vor­bei, die Büros sind wie­der vol­ler Men­schen die in ihrer Tätig­keit nach­ge­hen und beim nächs­ten Besuch in den Innen­städ­ten ist wie­der alles beim alten. Äußer­lich andere wer­den wie­der Anstoß der Gesell­schaft. Viel­leicht aus Neid, Neid dar­auf das ganze Jahr über das zu sein, was man sich erträumt.

karneval2Eigent­lich bin ja nicht für Kar­ne­vals­v­fes­ti­vi­tät zu begeis­tern, aber im Rhein­land scheint das unaus­weich­lich. Wäh­rend ich mich Alt­wei­ber noch beruf­lich im Süden der Repu­blik ver­krie­chen konnte war ich am Wochen­ende mit­ten­drin statt nur dabei, erst eine Geburts­tags­feier mit Kar­ne­vals­motto, dann der Veil­chen­diens­tags­zug in Mön­chen­glad­bach, den Rosen­mon­tag habe ich geschickt aus­ge­blen­det. Eigent­lich wollte ich unver­klei­det gehen, »mein altes Clowns­kos­tüm passt mir sowieso nicht mehr…« doch dum­mer­weise passte es noch. So bin ich also als Clown unter­wegs, also bunt. Glück­li­cher­weise habe ich keine blei­ben­den Schä­den davon getra­gen, eigent­lich ging ich davon aus, das bun­ter Klei­dung Haut­ir­ri­ta­tio­nen aus­löst, doch nichts davon ist ein­ge­tre­ten, das wirkt sich sicher­lich sehr posi­tiv auf mei­nen Vor­ur­teils­ab­bau aus.

Heute ist Ascher­mitt­woch, alles ist wie­der beim Alten, viele ver­klei­den sich wie­der so, wie es die Gesell­schaft ihnen sug­ge­riert. Mode­zeit­schrif­ten, Fern­se­hen und Pla­kate dik­tie­ren den Geschmack. Man klei­det sich wie­der Alters­ge­recht, das ist das, was andere von einem erwar­ten wie man sich in einem ent­spre­chen­den Alter zu klei­den hat. Viele wün­schen sich jetzt, wie­der ein­mal jung zu sein, in dem man mit sich selbst beschäf­tigt ist und nicht täg­lich ver­sucht, sich aus den Fes­seln der Gesell­schaft zu befreien von denen täg­lich neue dazu­kom­men. Hof­fent­lich gibt es viele, die sich nicht daran hal­ten, denn irgend­wie hat Kar­ne­val ja auch etwas posi­ti­ves, jeder klei­det sich so, wie er möchte. Viel­leicht auch ein biss­chen so, wie man gerne sein würde.   Halt Pohl!

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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3 Kommentare

  1. *grins* … wie gut das wir hier im Nor­den davon nicht viel bis nix mit­be­kom­men ;)
    Steht Dir das bunt … aber die Haare pas­sen nicht zur Brille *duw* ;)

  2. Naja Kar­ne­val resp. bei uns Fast­nacht, mag ich nicht beson­ders wegen der Musik (Guggemusik)…die bringt mich wirk­lich fast um…man darf also ann­he­men, dass du das bist auf dem Foto?

    LG

  3. @Stoffel: Lei­der habe ich keine pas­sende Brille in mei­nem Fun­dus, schließ­lich bin ich ja rein aus visu­el­len Grün­den dar­auf ange­wie­sen. Aber ich gebe Dir recht, passt wirk­lich nicht. *g*
    @Atanua: Die Musik ist wie eine Krank­heit, in den tol­len Tagen ist sie von über­all zu hören, sie scheint unaus­weich­lich. So blei­ben mir nur meine pri­va­ten Rück­zugs­räume um meine Ohren mit rich­ti­ger Musik zu bal­sa­mie­ren. Das schlimme ist: Durch die jah­re­lange und unter­schwel­lige Pene­tra­tion mei­nes Unter­be­wusst­seins durch diese Klänge kenne ich die meis­ten und die Klas­si­ker auch noch aus­wen­dig, obwohl ich sie nie gelernt habe. So was nennt man erfolg­rei­che tem­po­räre Kon­di­tio­nie­rung seit 34 Jah­ren! Ach so und ja, in der Mitte des Bil­des stehe ich :)

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Trackbacks

  1. […] Froh­sinn auf Ansage? Alko­hol um locker zu wer­den, damit die Hem­mun­gen fal­len, weil es gute Laune macht? Nichts davon ist wirk­lich wahr. Und den­noch: Kar­ne­val ist hier im Rhein­land so unaus­weich­lich wie die Weih­nachts­an­spra­che der Kanz­le­rin. 36 Jahre in einer Kar­ne­vals­hoch­burg haben mich abge­här­tet, es perlt ein­fach an mir ab wenn sich Scha­ren von Jecken ver­klei­den um 6 Tage lang zwang­haft fröh­lich zu sein. Es soll sogar vor­kom­men, das ich par­ti­zi­piere, dem bun­ten Trei­ben zuschaue oder mich auch selbst ver­kleide, für gute und bunte Freunde macht man das schon mal. […]

  2. […] ich end­gül­tig, mich die­ser merk­wür­di­gen Tra­di­tion nicht mehr zu beu­gen. 2009 unter­nahm ich einen letz­ten Ver­such, die­ses Fest zu ver­ar­bei­ten. Ein Fehlschlag, […]