29 Januar

Alltag und Entspannung

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20095 Kommentare

Diese Woche ist eine der Wochen, die ich am liebs­ten aus mei­nem Leben strei­chen würde. Neben mei­nem Beruf, der mich um 5:00 mor­gens aus dem Bett scheucht, besu­che ich auch noch in die­ser Woche wie­der die Meis­ter­schule. Zwi­schen Arbeit und Wei­ter­bil­dung bleibt also wenig Platz für den All­tag, selbst die Fahrt mit dem Auto zur Arbeit erscheint wie eine beson­dere Zeit­ver­schwen­dung. Das da Zeit zum Blog­gen fehlt, brau­che ich nicht zu erklä­ren. Eile ist der Tod eines guten Blog­bei­tra­ges wusste schon Kon­n­a­fu­zius in sei­nem Arti­kel über Blog­weis­hei­ten zu sagen.

Die Runde durch mei­nen Google Rea­der lasse ich mir trotz­dem nicht neh­men und genieße dabei die kurze Ruhe­pause bei einer Tasse Kaf­fee. Sub­jek­ti­ver­weise ver­än­dert sich der Inhalt mei­ner abbo­nierte Inhalt der Feeds in glei­chem Maße. Offen­bar lei­den noch andere Blog­ger und den Pflich­ten des All­tags. Des­halb geht mein Appell heute an die Augen­bli­cke der inne­ren Ruhe und dem klei­nen Stück Ent­span­nung, das sich jeder ein­mal gön­nen sollte. Nicht abends vor dem Fern­se­her, son­dern mit­ten­drin im Alltag.

Jeder Tag hat wich­tige Momente und Rituale der Ent­span­nung an denen man fest­hal­ten sollte auch wenn man dafür ja über­haupt keine Zeit hat. Ich werde gleich den Weg zu Schule wie immer zu Fuß zurück­le­gen, meine Kopf­hö­rer auf­set­zen und mir die neu­es­ten Errungs­chaf­ten diver­ser Plat­ten­ein­käufe anhö­ren. In den 30 Minu­ten die benö­tige laufe ich vor­bei an der lär­men­den Straße die den Ver­kehrs­mas­sen nicht gewach­sen scheint. Ich durch­quere einen Park und bewege mich dabei auf den his­to­ri­schen Teil der Stadt zu, durch die Wip­fel der Blät­ter­lo­sen Bäume ragt das präch­tige Müns­ter in den abend­li­chen Him­mel. Irgend­wie scheint jedes Lied auf mei­nen MP3 Player zu pas­sen und schickt mei­nen Geist auf eine Reise, ich wünschte ich könnte meine Gedan­ken als Film auf­zeich­nen, der dann von der Musik unter­malt wird.

Ein kur­zes Stück berg­auf endet auf dem Markt­platz, dem höchs­ten Punkt der Stadt und dem Ende der Ein­kaufs­zone. Men­schen lau­fen an mir vor­bei, mus­tern mich oft ein­dring­lich was aber bei mei­nen rie­si­gen sil­ber­nen Kopf­hö­rer auf mei­nen schwar­zen Haa­ren auch unaus­weich­lich ist. Ich stelle mir vor, was ein vor­bei­lau­fen­der Pas­sant wohl macht, wenn er nicht gerade mit Tüten bela­den die Stadt hin­auf­hetzt, wel­che Musik er gerne hört und was ihm Spaß macht. Kenne ich den nicht von irgendwo her? Erin­ne­run­gen aus mei­ner Jugend wer­den wach, ver­stum­men aber sogleich beim Anblick des nächs­ten Gesich­tes. Ich biege ab und errei­che einen ruhi­ge­ren Teil der Innen­stadt, in dem die Men­schen die mir eben noch begeg­net sind ihre Autos geparkt haben. Ich schaue mir die schö­nen alten Wohn­häu­ser an, die an mir vor­bei­zie­hen, jedes­mal. Und jedes­mal scheint es, sie möchte mehr von ihrer Geschichte erzäh­len, die seit mei­ner Schul­wo­chen begon­nen wurden.

Ich errei­che die Schule und bin wie immer 5 Minu­ten zu spät, ich setze die Kopf­hö­rer ab und setze mich ent­spannt in den Unter­richts­raum. Das sind meine 30 Minu­ten der Ruhe, obwohl es gar nicht ruhig ist, ein Ritual um wie­der zu füh­len das ich noch lebe ein Moment der Ein­sam­keit inmit­ten vie­ler Menschen.

Obwohl ich Kon­nas Appell für Qua­li­tät durch­aus nach­voll­zie­hen kann, finde ich auch einen wei­te­ren Punkt sei­ner Liste, näm­lich ein biss­chen von sich selbst zu erzäh­len viel wich­ti­ger, viel per­sön­li­cher und viel mensch­li­cher. Ich hoffe, ich war nicht zu persönlich :)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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5 Kommentare

  1. Dann beläs­tige ich dich mal nicht wei­ter mit einem gewis­sen Pro­jekt ;)
    Ent­spann dich lie­ber und wenn du wie­der mehr Zeit hast — ich halte dir einen Pos­ten frei… ansons­ten fin­dest du einige Infos bei Schwarzdenker.

  2. Du warst auf kei­nen Fall zu per­sön­lich, gerade sol­che Bei­träge sind doch zwi­schen­durch wirk­lich mal eine nette Abwechs­lung und sagen viel über den Men­schen hin­ter dem Blog aus, was mich immer sehr inter­es­siert.
    Und auch ansons­ten: Volle Zustim­mung. Ohne diese Momente der »Ruhe« geht man irgend­wann kaputt. Egal auf wel­che Weise man sich seine Por­tion Ruhe gönnt. Und beson­ders wohl­tu­end sind diese Momente, wenn man sie dann auch wirk­lich bewusst erlebt.

  3. Ich habe mich auch sehr über den Bei­trag gefreut^^ Allzu unper­sön­li­che Blogs wer­den irgend­wie unin­ter­es­sant.
    Ohne Musik wäre das Leben wirk­lich ungeniessbar ^^

  4. hach ja… ich bräuchte auch mal wie­der ein paar ruhe­mo­mente *seufz*

  5. @Tears: Du beläs­tigst mich nicht, ganz im Gegen­teil. In mei­nem Alter ist man froh, wenn man noch gebraucht wird ;)
    @Konna: Schön, das Dir diese Abwechs­lung gefal­len hat. Bewusste Momente sind genau so wich­tig wie die erste Tasse Kaf­fee am Mor­gen, denn erst dann erlebe ich die Dinge wirk­lich bewusst :)
    @Atanua: Finde ich auch, unper­sön­li­che Blogs ver­lie­ren mei­ner Mei­nung nach viel von ihrem ganz eige­nen Charme. Es soll tat­säch­lich Men­schen geben, die Musik zuhause nicht mögen. Das ist so, also würde man das Bröt­chen ohne Wurst essen,den Kaf­fee ohne Zucker oder das Leben ohne Inhalt.
    @Iweliene: Bade­wanne? Auch ein net­ter Platz, den ich sehr genieße. Ich habe sogar extra für die­sen läs­ti­gen Lüf­ter im Bade­zim­mer einen Schal­ter gelegt, damit ich die­sen auch bei ein­ge­schal­te­tem Licht deak­ti­vie­ren kann.

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