Es hat wohl alles nicht genützt, das Gesetz zur Einführung der umstrittenen Netzsperren ist beschlossen. Unfassbar, 389 haben dafür gestimmt und bekunden damit ihre Unfähigkeit im digitalen Zeitalter und möchten der Bevölkerung eine Augenbinde für das eigentlich Problem versperren. 389 Parteianhänger folgen wohlmöglich einer desolaten Führung und ordnen sich innerhalb der Partei unter, haben Angst ihre eigene Meinung kundzutun und möchte falschen Zusammenhalt heucheln. 389 Menschen für das Internet nur ein Anhäufung von Informationen ist, in denen sich nur potentiell kriminelle aktive Nutzer bewegen. 389 Politiker haben nicht verstanden worum es geht und welche Auswirkung eine solchen Entscheidung haben kann.
Die ganze Sache hat aber auch etwas positives. Es stehen noch zwei Wahlen ins Haus, in der wir alle die Möglichkeit haben zu zeigen, was wir von der Führung in unserem Lande halten. Auch wenn die Internetnutzer, die sich aktiv gegen die Netzsperren aussprechen nur auf etwa 500.000 belaufen, handelt es sich dabei um 500.000 Multitplikatoren, wie René von Nerdcore schon völlig richtig geschrieben hat. Doch wie entscheidet man sich? Schauen wir uns die Abstimmungsergebnisse einmal genauer an:
Die CDU hatte insgesamt 177 Stimmen davon sprachen sich rund 90% (158 Stimmen) für die Internetsperren aus und nur 1 Stimme war dagegen. 18 Stimmberechtigte hatten erst gar keine Lust darüber abzustimmen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Wolfgang Schäuble. Bei der CSU sah es nicht viel besser aus — von 46 Stimmberechtigten sprachen sich 87 % (40 Stimmen) für die Sperre aus, 6 hatten auch hier keine Lust teilzunehmen, darunter auch der in Interviews so erboste Wirtschaftsminister Guttenberg, das Thema war ihm dann doch nicht so wichtig. Die SPD hat 222 Stimmen von denen rund 86% (190 Stimmen) die Sperre gut fanden, nur 3 haben dagegen gestimmt und 26 hatten etwas besseres zu tun, darunter Justizministerin Brigitte Zypries und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.
Interessant dagegen was die 61 Stimmberechtigten der FDP machten, die sprachen sich nämlich zu rund 89% GEGEN die Sperren aus. Die Linke (53 Stimmen, 68% dagegen) und die Grünen (51 Stimmen, 65% dagegen) sahen die Sache ebenso, so das alle Anwesenden der Parteien gegen die Sperre stimmten, oder sich enthielten. Alle Abstimmungsergebnisse inklusive der Stimmen der Abgeordneten aus eurem Wahlkreis sind bei der Abgeordnetenwatch zu bewundern und wurden von Wortfeld bei Hat mein Abgeordneter für Netzsperren gestimmt? nochmals aufbereitet.
Was tun? Nur von einem Gesetz eine Wahlentscheidung abhängig machen? Dazu müssen wir erstmal wählen und uns beteiligen, teilhaben und Einfluss nehmen. Den Parteien die Konsequenz von Fehlentscheidungen deutlich machen, das können wir nur in der Wahlkabine tun. Nichts ist falsch daran seine Entscheidung von einem Gesetz abhängig zu machen, das ist nur Konsequent und die einzige Möglichkeit seine Meinung deutlich zu machen.
Das Bild ist symbolisch gemeint, denn zu Grabe getragen wurde wieder ein kleines Stück Freiheit, das uns Schritt für Schritt zur Zensur führt, zu staatlichen Kontrolle zur totalen Überwachung. Und ausgetragen wird das alles auf dem Rücken der Kinder, denn Netzsperren verhindern nicht das Kinder mißbraucht werden — im Gegenteil. Aber wir haben die Möglichkeit uns zu wehren und dazu reicht manchmal auch die Tastatur die vor euch liegt, ihr müsst sie nur benutzen. Informiert euch, bildet euch eine Meinung und tut das Richtige.
We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
We will be heard.
Expect us.



hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Juni 2009 um 23:47:
Na? Wie findest du mein WP-Plugin jetzt?
Ich hab es immer gesagt: Petitionen sind völlig für den Arsch! Alles weitere was ich zum Thema zu sagen habe behalt ich für mich, denn »Stammheim« gefällt mir irgendwie nicht als neuer Wohnort.
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 21. Juni 2009 um 13:25:
Ich mache tatsächlich meine Wahl, von dieser einen Sache abhängig, ganz einfach weil ohne Freiheit gar nichts richtig funktioneren kann, zumindest nicht für uns »normale« Bürger. Muss ich noch verraten wen ich wähle?
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Juni 2009 um 15:36:
Piraten oder FDP?!
Grundsätzlich sind mir ja die Piraten sehr sympathisch, allerdings sagt mir mein Verstand auch, dass meine Stimme bei der FDP nicht mit einem Grinsen unter »Sonstige« verbucht wird. Fraglich ist lediglich, ob die FDP nach der Wahl nicht die Richtung wechseln…
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Juni 2009 um 18:59:
@Tears: Dein Plugin finde ich nach wie vor interessant, stehe aber auf dem Standpunkt es den Politikern nicht gleichzutun sondern diese lieber mit der unbequemen Wahrheit zu konfrontieren. Ob die Parteien Wahlversprechen halten können und werden halte ich genauso zweifelhaft wie du, es kommt aber auf einen Versuch an.
@Bernhard: Das gilt im übrigen auch für mich, auch wenn das in den Augen der übrigen Menschen vielleicht engstirnig erscheinen. Aber ich bestimme selbst (ebenso wie du) was mir wichtig ist und worauf ich Einfluss nehmen möchte. Wenn man aber den Ansichten einiger Politiker glauben darf, bist du kein normaler Bürger, sondern ein potentieller Krimineller der etwas gegen den Schutz unserer Kinder hat. (siehe am Beispiel von Dr. Ulrich Noetlinger (CDU) — Sieg der Menschlichkeit)
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Juni 2009 um 19:40:
Ich glaube eben nicht, dass man unseren Politikern mit etwas anderem wie »Gewalt« begegnen sollte — alles andere ist doch zwecklos, wie die Petition bewiesen hat. Dabei tendiere ich weniger zu Farbbeuteln, Eiern oder Brandbomben sondern würde es begrüßen, wenn man »die Großen« etwas unternehmen würden. Stellt euch mal Politiker vor, die weder Google noch Wikipedia nutzen können und auch auf heise usw. nicht über ein Stop-Schild rauskommen.