20 Juni

389 Digitalversager - Gesetz zur Einführung von Netzsperren beschlossen

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20095 Kommentare

Es hat wohl alles nicht genützt, das Gesetz zur Ein­füh­rung der umstrit­te­nen Netz­sper­ren ist beschlos­sen. Unfass­bar, 389 haben dafür gestimmt und bekun­den damit ihre Unfä­hig­keit im digi­ta­len Zeit­al­ter und möch­ten der Bevöl­ke­rung eine Augen­binde für das eigent­lich Pro­blem ver­sper­ren. 389 Par­tei­an­hän­ger fol­gen wohl­mög­lich einer deso­la­ten Füh­rung und ord­nen sich inner­halb der Par­tei unter, haben Angst ihre eigene Mei­nung kund­zu­tun und möchte fal­schen Zusam­men­halt heu­cheln. 389 Men­schen für das Inter­net nur ein Anhäu­fung von Infor­ma­tio­nen ist, in denen sich nur poten­ti­ell kri­mi­nelle aktive Nut­zer bewe­gen. 389 Poli­ti­ker haben nicht ver­stan­den worum es geht und wel­che Aus­wir­kung eine sol­chen Ent­schei­dung haben kann.

Die ganze Sache hat aber auch etwas posi­ti­ves. Es ste­hen noch zwei Wah­len ins Haus, in der wir alle die Mög­lich­keit haben zu zei­gen, was wir von der Füh­rung in unse­rem Lande hal­ten. Auch wenn die Inter­net­nut­zer, die sich aktiv gegen die Netz­sper­ren aus­spre­chen nur auf etwa 500.000 belau­fen, han­delt es sich dabei um 500.000 Mul­tit­pli­ka­to­ren, wie René von Nerd­core schon völ­lig rich­tig geschrie­ben hat. Doch wie ent­schei­det man sich? Schauen wir uns die Abstim­mungs­er­geb­nisse ein­mal genauer an:

Die CDU hatte ins­ge­samt 177 Stim­men davon spra­chen sich rund 90% (158 Stim­men) für die Inter­net­sper­ren aus und nur 1 Stimme war dage­gen. 18 Stimm­be­rech­tigte hat­ten erst gar keine Lust dar­über abzu­stim­men, dar­un­ter Bundes­kanz­le­rin Angela Mer­kel und Innen­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­ble. Bei der CSU sah es nicht viel bes­ser aus — von 46 Stimm­be­rech­tig­ten spra­chen sich 87 % (40 Stim­men) für die Sperre aus, 6 hat­ten auch hier keine Lust teil­zu­neh­men, dar­un­ter auch der in Inter­views so erboste Wirt­schafts­mi­nis­ter Gut­ten­berg, das Thema war ihm dann doch nicht so wich­tig. Die SPD hat 222 Stim­men von denen rund 86% (190 Stim­men) die Sperre gut fan­den, nur 3 haben dage­gen gestimmt und 26 hat­ten etwas bes­se­res zu tun, dar­un­ter Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bri­gitte Zypries und Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ulla Schmidt.

Inter­es­sant dage­gen was die 61 Stimm­be­rech­tig­ten der FDP mach­ten, die spra­chen sich näm­lich zu rund 89% GEGEN die Sper­ren aus. Die Linke (53 Stim­men, 68% dage­gen) und die Grü­nen (51 Stim­men, 65% dage­gen) sahen die Sache ebenso, so das alle Anwe­sen­den der Par­teien gegen die Sperre stimm­ten, oder sich ent­hiel­ten. Alle Abstim­mungs­er­geb­nisse inklu­sive der Stim­men der Abge­ord­ne­ten aus eurem Wahl­kreis sind bei der Abge­ord­ne­ten­watch zu bewun­dern und wur­den von Wort­feld bei Hat mein Abge­ord­ne­ter für Netz­sper­ren gestimmt? noch­mals aufbereitet.

Was tun? Nur von einem Gesetz eine Wahl­ent­schei­dung abhän­gig machen? Dazu müs­sen wir erst­mal wäh­len und uns betei­li­gen, teil­ha­ben und Ein­fluss neh­men. Den Par­teien die Kon­se­quenz von Fehl­ent­schei­dun­gen deut­lich machen, das kön­nen wir nur in der Wahl­ka­bine tun. Nichts ist falsch daran seine Ent­schei­dung von einem Gesetz abhän­gig zu machen, das ist nur Kon­se­quent und die ein­zige Mög­lich­keit seine Mei­nung deut­lich zu machen.

Das Bild ist sym­bo­lisch gemeint, denn zu Grabe getra­gen wurde wie­der ein klei­nes Stück Frei­heit, das uns Schritt für Schritt zur Zen­sur führt, zu staat­li­chen Kon­trolle zur tota­len Über­wa­chung. Und aus­ge­tra­gen wird das alles auf dem Rücken der Kin­der, denn Netz­sper­ren ver­hin­dern nicht das Kin­der miß­braucht wer­den — im Gegen­teil. Aber wir haben die Mög­lich­keit uns zu weh­ren und dazu reicht manch­mal auch die Tas­ta­tur die vor euch liegt, ihr müsst sie nur benut­zen. Infor­miert euch, bil­det euch eine Mei­nung und tut das Richtige.

We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
We will be heard.
Expect us.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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5 Kommentare

  1. Na? Wie fin­dest du mein WP-Plugin jetzt?
    Ich hab es immer gesagt: Peti­tio­nen sind völ­lig für den Arsch! Alles wei­tere was ich zum Thema zu sagen habe behalt ich für mich, denn »Stamm­heim« gefällt mir irgend­wie nicht als neuer Wohnort.

  2. Ich mache tat­säch­lich meine Wahl, von die­ser einen Sache abhän­gig, ganz ein­fach weil ohne Frei­heit gar nichts rich­tig funk­tio­ne­ren kann, zumin­dest nicht für uns »nor­male« Bür­ger. Muss ich noch ver­ra­ten wen ich wähle?

  3. Pira­ten oder FDP?!
    Grund­sätz­lich sind mir ja die Pira­ten sehr sym­pa­thisch, aller­dings sagt mir mein Ver­stand auch, dass meine Stimme bei der FDP nicht mit einem Grin­sen unter »Sons­tige« ver­bucht wird. Frag­lich ist ledig­lich, ob die FDP nach der Wahl nicht die Rich­tung wechseln…

  4. @Tears: Dein Plu­gin finde ich nach wie vor inter­es­sant, stehe aber auf dem Stand­punkt es den Poli­ti­kern nicht gleich­zu­tun son­dern diese lie­ber mit der unbe­que­men Wahr­heit zu kon­fron­tie­ren. Ob die Par­teien Wahl­ver­spre­chen hal­ten kön­nen und wer­den halte ich genauso zwei­fel­haft wie du, es kommt aber auf einen Ver­such an.

    @Bernhard: Das gilt im übri­gen auch für mich, auch wenn das in den Augen der übri­gen Men­schen viel­leicht eng­stir­nig erschei­nen. Aber ich bestimme selbst (ebenso wie du) was mir wich­tig ist und wor­auf ich Ein­fluss neh­men möchte. Wenn man aber den Ansich­ten eini­ger Poli­ti­ker glau­ben darf, bist du kein nor­ma­ler Bür­ger, son­dern ein poten­ti­el­ler Kri­mi­nel­ler der etwas gegen den Schutz unse­rer Kin­der hat. (siehe am Bei­spiel von Dr. Ulrich Noet­lin­ger (CDU) — Sieg der Mensch­lich­keit)

  5. Ich glaube eben nicht, dass man unse­ren Poli­ti­kern mit etwas ande­rem wie »Gewalt« begeg­nen sollte — alles andere ist doch zweck­los, wie die Peti­tion bewie­sen hat. Dabei ten­diere ich weni­ger zu Farb­beu­teln, Eiern oder Brand­bom­ben son­dern würde es begrü­ßen, wenn man »die Gro­ßen« etwas unter­neh­men wür­den. Stellt euch mal Poli­ti­ker vor, die weder Google noch Wiki­pe­dia nut­zen kön­nen und auch auf heise usw. nicht über ein Stop-Schild rauskommen.

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