Schwarz zeigt wie keine andere Farbe die gewählte Ausgrenzung vom Rest der Gesellschaft, die Distanz zur rein Konsumorientierten Gesellschaft, aber auch Selbstbewusstsein und Stärke. Unsere rein ästhetische Provokation trägt prächtige Früchte und verführt — Unterstützt durch die Boulevardpresse — den Bürger zur Annahme der verrücktesten Vorurteile und Klischees. Ein paar ernste und weniger ernst gemeinte Vorurteile möchte dieser Beitrag entschlüsseln.
Wer weitere Vorurteile aufgeklärt wissen möchte, fühle sich frei eine entsprechende Anregung in den Kommentaren zu hinterlassen.
Gothics schänden Gräber, Gruften und Ruinen
Friedhöfe sind die friedlichsten und einsamsten Plätze in unserer unruhigen Welt. Gothics lieben Friedhöfe und alte Gemäuer. Wir genießen die Ruhe und die morbide Ausstrahlung eines solchen Ortes und schätzen auch den mystischen Charakter alter Grabstätten. Die sterblichen Überreste der Menschen zerfallen in der Erde, vereinen sich wieder mit der Natur und bringen so neues Leben hervor, die Knochen verbleiben als symbolisches Zeichen der gelebten Existenz. Warum sollten wir diese also zerstören? Unzählige alte Friedhöfe warten nur darauf entdeckt zu werden, auf jedem ist die Ruhe und die Spur Okkultismus, die ich so schätze, vielleicht sollte der ein oder andere beim nächsten Friedhofsbesuch etwas genauer hinschauen. Das Klischee hält sich aber hartnäckig und ruft jederzeit halbherzige Berichterstattung auf den Plan, sind es Hakenkreuze waren es die Neonazis, sind es Pentagramme waren es die Gothics. Vereinzelte Vorfälle in den frühen 80ern in Thüringen1 stehen nicht stellvertretend für die Szene und werden Szeneintern sogar verabscheut. Merke: Von tausenden Gothics, die respektvoll einen Friedhof besuchen redet niemand, von den drei Idioten in schwarzen Klamotten reden alle. Den ganzen Artikel lesen… »
- Ingo Weidenkaff, Jugendkulturen in Thüringen — Die Faszination des Andersseins, S. 44, 1999 [↩]


