19 September
Reizüberflutung und Wahrnehmung
Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt. Mir geht es schon lange gegen den Strich, dass Internetauftritte großer Portale nur so überquellen mit Informationen und Möglichkeiten, der User bekommt davon nicht mal einen Bruchteil mit. Glaubst du nicht? Jana Jordis, Rainer Lieser und Thorsten Biedenkapp haben einen kurzen Film gemacht, in dem sie Passanten baten, deren Lieblingsinternetseite zu beschreiben, ohne dabei den Namen der Seite zu nennen. Wie schwierig das ist, habe ich auch gleich gestern Abend noch an meinen Arbeitskollegen ausprobiert, die Ergebnisse waren sehr ähnlich, so ein bisschen wie bei Tabu, bei dem man den gesuchten Begriff umschreiben muss, ohne spezielle Schlagwörter zu nennen.
Meiner Meinung nach ist das auch das Erfolgsrezept von Google. Es zeigt nur das nötigste an, bietet aber eine Fülle von Möglichkeiten, wenn man diese braucht. Thorsten Biedenkapp zieht dazu in seinem Blog ganz eigene Schlüsse. Ich fand es im übrigen ebenso schwer, die von den Passanten beschriebenen Seiten zu identifizieren, lediglich 3 Treffer konnte ich landen, die Lieblingsseiten meiner Arbeitskollegen konnte ich ebenfalls nicht erraten. Aber macht euch selber ein Bild:
Es wird deutlich, wie sehr Reizüberflutung die Wahrnehmung trübt. Das Auge hat gar nicht genug Zeit einen Bereich zu fixieren, da der Blick ständig auf andere Dinge gelenkt wird, man gewinnt oft den Eindruck, das die Informationen innerhalb eines Webauftrittes im Zweikampf stehen und sich darüber streiten, wer von Ihnen nun der wichtigste ist.
hat bereits 8 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. September 2008 um 18:30:
Hey Robert, vielen Dank für Deine Berichterstattung über meinen Film :) Interessant, dass Du meinen Ausführungen zur Reizüberflutung noch ein paar wesentliche Punkte hinzufügen konntest. Ich habe Zugang zu einem Eyetracker, der Blickkurven zuverlässig aufzeichnet. Vielleicht werde ich das in einem meiner nächsten Videos aufgreifen und mal ein Experiment dazu starten, welche Elemente auf einer Website eigentlich am häufigsten miteinander konkurrieren, und ob sich das Prinzip auf andere Portale/Seiten übertragen lässt.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. September 2008 um 17:58:
Die Idee mit dem Eyetracker ist sicherlich reizvoll, auch wenn damit bereits in der Vergangenheit entsprechende Versuche unternommen wurden.(http://www.heise.de/newsticker/Auf-der-Suche-nach-der-perfekten-Homepage–/meldung/94270)
Ich denke das Auge allein ist aber kein zuverlässiger Indikator für eine gute oder schlechte Internetseite, sondern vielmehr die daraus resultierende Wahrnehmung. Gerade bei Portalen ist es schwer ein breites Publikum anzusprechen, so hat doch jede Generation einen ganz eigenen Blickwinkel, zeig doch mal einem Senior die MySpace Seite seines Enkels. Ein interessanter Ansatz wäre das Zielgruppenorientierte Design eines Portals oder Internetseite, das über das Alter des Besuchers eine entsprechende Aufbereitung der Daten erzeugt.